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12 (1840)
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Lessings Briefe. 1760.

Aon den Briefen über die Litteratur wird Ihnen hoffentlich nun nichtsmehr fehlen.

Ich bin itzt mit einem großen Werke, das in die griechische Litte-ratur einschlagt, beschäftiget, -von welchem künftige Michaelis zweyBände auf einmal ans Licht treten sollen. Desgleichen muß ich einezweyte Auflage von meinen Fabeln besorgen, die ich in verschiedenenStücken zu ändern, und sonst ansehnlich zu vermehren gedenke. Ichwerde also künftigen Sommer zu thun genug haben. Und so lange ichnoch von meiner Arbeit leben kann, und ziemlich gemächlich leben kann,habe ich nicht die geringste Lust der Sklave eines AmtS zu werden.Trägt man mir eines an, so will ich cS annehmen; aber den geringstenSchritt nach einem zu thun, dazu bin ich, wo nicht eben zu gewißcn-haft, doch viel zu commode und nachläßig.

Die Nachrichten von Gottlob und Carl freuen mich. Wenn siefleißig sind, so kann es nicht fehlen, Sie werden auch einmal ihrGlück finden. Was aber für ein Glück erdwann mache» wird, dassehe ich noch nicht. Er fängt zu tief an, um es zu etwas zu bringen.Ich habe nun lange keine Nachricht von ihm einzichn können.

Ich mnß abbrechen, weil der Fuhrmann eilt. Ich empfehle michIhnen und der Fr. Mutter, und verbleibe Lebenslang

Wenn der Fuhrmann wieder nach Berlin kömmt, bitte ich mirfolgende zwey Bücher, welche sich unter Theophilus Büchern befindenmüßen, mitzuschicken. Ich brauche sie itzt, und will Theophilo eineMenge andre Bücher schicken, wenn er sie haben will.

1 Lomeri Opera in 2 Bänden in Duodez.

2 8os>i>oelis IrgAoeiZiav in 2 Octav Bänden.

Aus Eilfertigkeit hätte ich rS fast vergeßcn, mich bey der FrauMutter für die übcrschickten Strümpfe zu bedanken. Sie sind mirrecht sehr lieb gewesen.

Dero

Berlin ,den 3 April1760.

gehorsamster SohnEotlhold.

An Gleim.

Berlin , d. 13. April, 1760.

Liebster Freund,

Endlich habe ich das Vergnügen, Ihnen unseren PhilotaS zu sen-den. Werden Sie über den Verzug nicht ungehalten. Zum Theil ist