Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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LessingS Briefe. 4760.

Wochen einmal in Gesellschaft so vieler rechtschaffner Leute satt essen,satt lachen, und satt zanken konnte; besonders über Dinge satt zankenkonnte, die ich nicht verstehe. Mein großes Kompliment an die Her-ren Quanz und Agricola. Die griechische Musik war doch besser, alsdie auf den Breslauischen Kaffeehäusern! Unser» lieben Krause")rechne ich mit zum Klub. Ich bin itzt in seinem Vaterland«, und,bey Gott! er hat recht wohl daran gethan, daß er in Schlesien junggeworden ist!

Noch ein Wort von meinen kleinen häuslichen Angelegenheiten.Haben Sie die Güligkeit, liebster Freund, und kundigen Sie meinerWirthin mit dem itztlaufenden Monate das Quartier auf. Ich werdeIhnen mit nächstem Postiage eine Assignation schicken, um zu ihrerBezahlung das nöthige Geld zu heben. Ich werde Ihnen Mühe ma-chen; aber ich weiß, Sie verzeihen es mir.

Leben Sie wohl, liebster Freund; und wenn Sie an Eleim schrei-ben, und Gleim an Sie schreibt, und auch ein Wort von mir anSie schreibt: so will ich mich Gleim bestens empfohlen haben.

Ach! bald hätte ich das Wichtigste vergessen. Ich reisete durchFrankfurt , und wollte das Grab unsers Freundes sehen. Doch dieGeschichte dieser Wallfahrt verdient einen eigenen Brief. Sie sollensie ehestens haben.

Leben Sie nochmals wohl. Ich bin

der Ihrige,Lcssing.

An Moses Mendelssohn .Bester Freund!

Ich reiste mit allem Bedacht aus Berlin , ohne von Ihnen Ab-schied zu nehmen, weil ich mich nicht der Gefahr aussetzen wollte, dieThorheil meines Entschlusses auf einmahl in ihrem völligen Lichte zusehn. Die Reue wird ohnedem nicht außenbleibcn, eine so gänzlicheVeränderung meiner Lebensart in der bloßen Absicht, mein sogenanntesGlück zu machen, vorgenommen zn haben. Wie nahe ich dieser Reuebereits bin, weiß ich eigentlich selbst nicht. Denn noch bin ich inBreßlau nicht zu mir selbst gekommen.

*) Verfasser des Buchs über die musikalische -Poesie. Nicolai.