Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

LessingS Briefe. 17lZ0.

Was Sie mir aus den Berliner Zeitungen melden, ist eine wahreNeuigkeit für mich.") Ihnen brauche ich es nicht lange zu versichern,daß mir diese Ehre, besonders in den Umständen, worinn ich michgegenwärtig befinde, sehr gleichgültig ist. Auch ist es mir sehr gleich-gültig, was Herr S. für ein Betragen dabey geäußert. °°) Ob erfalsch ist, weiß ich nicht; daß er aber öfters sehr inconseauent ist, dasweiß ich. Vielleicht war er auch daSmahl nur das Letzte. Und Siehaben Recht; es ist immer einerley, ob man von einem General,oder von einem Präsidenten der Akademie abhängt. Wenn dieser mehrKopf bat, so bat er auch mehr HalS: und es ist sicherlich schlimmermit ihm auszukommen, als mit jenem. Meinen halte ich noch bisjetzt für einen sehr guten Mann, vor dessen Hastigkcit, wenn sie an-ders sein Fehler ist, ich ganz gesichert zu seyn glaube.

Was Ephraim übrigens anbelangt, so ist mir lieb, daß alle dieGefälligkeiten, die er sich von mir versprechen kann, von der Art sind,daß ich niemanden dadurch schaden, auch mich selbst keiner Verant-wortung dabey aussetze» kann: doch werde ich darum nicht aufhören,anf meiner Hut zu seyn; und Sie, liebster Freund, werden mir ei-nen großen Gefallen erweisen, wenn Sie mir dann und wann, vondiesem und jenem, einen kleinen Wink geben."") Unsre ersicn Briefesind sehr trocken. Wir müssen einander fleißiger, und mehr, und an-genehmere Eilige schreiben. Sie gehen auf Ihrem Pfade ungehindertfort. Vcrlichrcn Sie mich ja nicht ganz aus den Augen; lassen Siemich ja an allen Ihren Beschäftigungen noch ferner den Antheil

*) Lessing war zum Mitglicdc der Akademie in Berlin ernannt wor-den. Nicolen.

") S. LessingS Leben, Th. I. S. 2tt. Nicolai.

"*) MoscS Halle von dem Charakter des im siebenjährigen Kriege so be-kannt gewordenen MlinzcnlrcprcncurS Heyne veitel Ephraim des Vaters,keine gute Meinung. Die Kontrakte über daS Ausmünzen des geringhaltigenGeldes waren vom Könige dem General von Tancnzicn ausgelragcn, undfolglich halte Lcssing unmillclbar damit das meiste zu lhnn. MoscS haßtediese Müiizcnlrcprisc auss äußerste, weil er sie für das hielt, was sie war:für unrecht- Er wollte auch nichl das geringste damit, selbst nur mittelbar,zu thun haben, ungeachtet ihm der alle Ephraim sehr glänzende Vorschlägethat, um ihn dadcv zu brauchen. Außer der eigentlichen Unternehmung selbst,die er für höchst unrecht hielt, waren ihm auch die Ncbcnintrigucn, wodurchoft dieses und jenes eingeleitet und durch die dritte oder siebente Hand erlangtwurde, sehr verbaßt. Daher warnte er seinen Freund Lcssing. Lcssing batsich auch, wie jeder bezeugt, der von den Sachen weiß, höchst billig, geradeund uneigcnniitzig bcv diesem Geschäft betragen. Nicolai-LcsMgS Werk- X». IN