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148 LcssingS Briefe. 17kl. I7l?2^
>)uom tu, klel^omvne, lemel^akeontom ^>Ial!i,lo lumino villoiis.
Ich lege noch eine Rarität bey, die ich hier auf einer öffentlichenBibliothek ausgcstänkert habe. Es ist die erste Angabe unsers Logan.Wenn Sie ste genug gebraucht, und Ihre Augen daran geweidet ha-ben, so erbitte ich sie mir wieder zurück.
Was sagen meine Freunde in Berlin von mir? Kaum bin iches werth, noch welche zu haben. Toch nein; ich habe nie welche ge-habt, wenn ich sie nicht noch habe, und sie durch mein bisherigesStillschweigen kaltsinnig geworden sind, dieses Komplilnent machenSie nur allen, und machen Sie auch sich selbst, wenn Sie anders —Nein, Sie, liebster Freund, kenne ich zu gut. Sie sind der nachsichtSvolleste vou allen, und ich weiß, daß Ihnen meine schlechte Seileeben so lieb isi, als meine gute.
Leben Sie wohl. Ich umarme Sie tausendmal. Die Lde nichtzu vergessen, wenn Sie das nächstcmal an mich schreiben! Baldmehr. Ich bin
ganz der Ihrige,_ Lessing.
An Ramlcr.
BreSlan, d. 30. May 175,2.
Liebster Freund,
Ich habe Ihnen ans drey Briefe zu antworten: auf zwey, dieich erhalten habe, und an leinen, den ich nicht erhallen habe. Wennich Ihnen sage, daß dieser letztere mir die andern zwey fast zn Räth-seln gemacht hat, so ist cS wohl kein Räthsel, welches der verun-glückte von den dreyen sey. Der erste, leider! den Sie dem jungenHerrn von Kleist mitgegeben hatten; mit dem Sie mir die erste kleineAusgabe des Logau wieder zurück schickten. Brief und Logan sindmit dem Tornister des jungen Kleist unter Weges verloren gegangen.Ein ärgerlicher Zufall! Sie wissen, daß der Logan nicht mein eigenwar, sondern einer hiesigen Bibliothek (zu Sr. Magdalena) zugchörte,Ich verzweifle durchaus, ihr diesen Ncrlust ersetzen zu können; allemAnsehen nach war es noch das einzige Exemplar in der Welt. —Nun was mehr? ES ist weg; und ich habe mich wohl gehütet, de»jungen Kleist meine Empfindlichkeit darüber merken zu lassen. Denner bat gar zu sehr um Verzeihung; und einmal ist er doch unsersKleistS Reveu. Was wollte ich dem nicht vergeben? Ihn seinen eig-nen dabey erlittenen Schaden einigermaßen vergessen zu mache», habe