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IZo LessingS Briefe. l!76?.
Sie den nicht erhalten?--Was machen Langemackund Sulier? —
WaS macht —
Ich mnß schließen, liebster Freund. Sie wissen ja ohnedies wohl,nach wem ich sonst noch etwa hätte fragen können. Grüßen Sie siealle! Leben Sie wohl, und schreiben Sie so oft an mich, als ichan Sie denke. Das ist öfter, als Sie glauben; denn sonst würdenSie mich nicht auf den Fuß eines Menschen behandeln, dessen Still-schweigen man mit Stillschweigen bestrafen muß. Ich bin
ganz der Ihrige,Lessing.
An Nicolai.
Liebster Freund,
Endlich dringt mich die Noth, an Sie zu schreiben, lind zwareine doppelte Noth. Fürs erste: ich kann unmöglich langer IhreBriefe entbehren. Da Sie mir sie also nicht als ein Almosen wollenzukommen lassen —
(Sie sollten sich schämen, mit mir auf so genaue Rechnung zuleben. Zug um Zug, ist eine Regel in der Handlung, aber nichtin der Freundschaft. Handel und Wandel leidet keine Freundschaft:aber Freundschaft leidet auch keinen Handel und Wandel, lind wozumachen Sie unsern Briefwechsel anders, als zu einem eigennützigenHandel, wenn Sie wollen, daß er in dem eigentlichsten Wortverstandenichts als ein Briefwechsel seyn soll? Wenn Sie mit keinem an-dern Wechsel übers Ohr gehauen werden, als mit diesem, so wirdIhr Beutel ein sehr gesegneter Beutel bleiben, und Ihre Freundschafteine Capitalislinn werden. Denn jeder Ihrer Briefe, den ich nichtbeantworte, ist ein Capital, welches Sie bey mir unterbringen. Unddie Interessen dieses Capitals werden von Zeit zu Zeit zu dem Ca-pitale geschlagen, und tragen neue Interessen, welche wieder zu demHauptstuhle geschlagen werden; so daß, je länger ich nicht antworte,desto größer Ihr Capital wird. Begreifen Sie das nicht! Sie ha-ben Recht: da ist nichts zu begreifen- Lauter eingebildete Reichthü-mer! — Lieber Freund, verschmähen Sie doch die eingebildeten Reich-thümer nicht! Lassen Sie uns noch drey Jahre munzcu, und die be-greiflichsten Reichthümer sollen zu Einbildungen werden, ^aue ^alulcielsudsutur — vor allen Dingen meine ParenlhesiS)--: