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Lessings Briefe. 4766.
werde ich eine Tour nach Dresden machen, wo ich mich vielleicht einenoder zwey Monate aufzuhalten gedenke, und es versteht sich, daß ichvon da aus mehr als einmal nach Camcnz kommen werde. Nichtswird mir erfreulicher seyn, als meine wertheste Ellern gesund undvergnügt anzutreffen. Der Verdruß, den sie liebster Vater noch im-mer dort haben, ist ein Beweis, wie schlecht man in meiner Vater-stadt denkt. Andrer Leute Thorheiten müßen uns indeß nicht kränken,und ich halte auch den Bruder Theophilus für zu gesetzt, als daß eres für eine Beschimpfung halten sollte, den Beyfall des Camtzcr Pö-bels nicht zu haben. Sollte ich wieder Vermuthen an der Ausführungmeines itzt erwähnten Anschlages verhindert werden, und sollten michgewifie Umstände nöthigen, den Sommer über in Berlin zn bleiben,so werde ich sodann den Bruder Carl zu mir kommen laße». ESwird mir aber lieb seyn, wenn er mir vorher noch schreibet, und be-sonders, wenn er mir die versprvchne Ausarbeitung schicket.
Daß die Wäsche fertig ist, dafür bin ich meiner lieben Schwesterrecht sehr verbunden. Da ich keine andere Gelegenheit, sie anher zubekommen weis, so soll Sie sie nur in eine leichte Äüsie, mit WachS-lcinewand wohl verwahrt, einpacken und unfranauirl ivela auf diefahrende Post anher geben. Ich will lieber diese wenigen Unkostendaran wenden, als sie noch länger entbehren. Sie muß es aber mitder ersten Post thu», damit ich sie längstens noch vor den Feyerlagenerhalte. Zugleich soll Sie mir melden, was ich ihr für Auslage undArbeit schuldig bin.
Ich empfehle mich meinen werthesten Eltern und verbleibeLebenslang
Dero
Breslau, d. 17 März 1766. gehorsamster Sohn
(Sotthold.
Hochzuchreuder Herr Vater,
Ich bin zwar bereits vor sechs Wochen glücklich in Berlin ange-langt; ich habe aber durch die Rachläßigkeit und Untreue meines neuenBedienten, de» ich mit meinen Sachen von Breslau anher gehenlaßen, alles Meinige in solcher Verwirrung gefunden, und dadurch soviel verdrießliche Abhaltungen bekommen, daß es mir unmöglich ge-wesen, an die Erfüllung meines Versprechens eher zu denken.
Endlich thu ich es, und übersende dem Bruder Carl beygehendZg Rlhlr., über deren Anwendung ich mich in meinem Briefe an ihnnäher erkläre. Was ich hiernächst meiner Schwester versprochen, habe