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Was giebt es sonst Neues? Erkundige Dich doch bei Lossensoder bei Starkens, wo wir unser» Club haben, ob der SekretairWeiß aus Danzig schon »ach Hamburg abgereist ist, oder wann erabzureisen denkt. Wenn es sich thun läßt, so haben wir abgeredet,mit einander nach Berlin zurückzureisen. Ginge eS nicht an, so möchteich mich gern bei Feiten nach einem andren Reisegefährten umthun.
Lebe wohl, lieber Bruder, und antworte mir gleich. MeinenEmpfehl an alle unsre Freunde.
Dein
An Gleim.
Liebster Freund!
Ihr Brief vom 6tcn p. hat mich in Hamburg gesucht, als ichvon da schon wieder weg war. Erst gestern habe ich ihn retour er-halten, und ich hoffe also Verzeihung, daß ich ihn so spät beantworte.
Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll: so viclerlcy habe ich Ihnenzn melden. Ja, in Hamburg bin ich gewesen; und in neun bis zehnWochen denke ich wieder hin zu gehen, — wahrscheinlicher Weise, umauf immer da zn bleiben. Ich hoffe, es soll mir nicht schwer fallen,Berlin zu vergessen. Meine Freunde daselbst werden mir immer theuer,werden immer meine Freunde bleiben; aber alles übrige vom größtenbis zum kleinsten — Doch ich erinnere mich, Sie hören es ungern,wenn man sein Mißvergnügen über diese Königin der Städte verräth.— WaS hatt' ich auf der verzweifelten Galeere zu suchen? — FragenSie mich nicht: auf was ich nach Hamburg gehe. Eigentlich aufnichts. Wenn sie mir in Hamburg nur nichts nehmen, so geben siemir eben so viel, als sie mir hier gegeben haben. Doch Ihnenbrauche ich nichts zu verhehlen. Ich habe allerdings mit dem dortigenneuen Theater, und den Entrepreneurs desselben, eine Art von Ab-kommen getroffen, welches mir auf einige Jahre ein ruhiges und an-genehmes Leben verspricht. Als ich mit ihnen schloß, fielen mir dieWorte aus dem Juvcnal bey : —
Huoü von «laut niocereg, claliit Ilislrio. —
Ich will meine theatralischen Werke, welche längst auf die letzteHand gewartet haben, daselbst vollenden, und aufführen lassen. SolcheUmstände waren nothwendig, die fast erloschene Liebe zum TheaterLeslmgs Werke X». 12