Lcssings Briefe. 1767.
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habe, ist dieses. Du weißt, daß ich Schönstädtcn, dem Verfasserdes OSmaiis, eine Condilion hier angelragen, die er auch angenom-men. Der gute Mensch wird nicht wissen, woran er ist. Suche ihnalso auf, (Du wirst ihn in Webers Buchhandlung ausfragen können)und sage ihm, daß er sich mit der ersten Post aufsetzen und hierherkommen soll. Wenn er Reisegeld nöthig hat, so ersuche Herrn Voß,daß er ihm 2l) Thaler, oder was er nöthig haben dürfte, vorschießt;ich will ihm diese Auslage durch einen hiesigen Buchhändler oderKaufmann in Leipzig auf der Messe baar remboursiren lassen. Solltees ihm an nöthiger Kleidung fehlen, so führe ihn zu meinem Schnei-der, wo er sich auf mein Conto kann machen lassen, was er braucht.Den Schneider will ich dort schon bezahlen lassen. Sobald er imStande ist, soll er auf weiter nichts warten, sondern sogleich mit derPost her kommen, und indeß in einem Wirthshause absteigen, von woer mich seine Ankunft nur darf wissen lassen.
Morgen wird das hiesige Tbcatcr eröffnet. Sage Herrn Ram-lcr, nebst meinem vielfältigen Empfehl, daß ich, sobald diese Unruhevorbey ist, ihm unfehlbar schreiben werde. Indeß sollte er so gutseyn und dem jungen H° und Madame Schniid sage», daß, ehe hierdie bereits cngagirten AcleurS sich nicht gezeigt hätten, die Entrepre-neurs keine ncne annehmen wollten. Ich ließe sie sonach bitten, nur»och vierzehn Tage Geduld zu haben, da sie denn meine kategorischeAntwort gewiß erhalte» sollten. Ich kann Dir selbst diesmal nichtmehr schreiben. Nächstens ein mchrcres. Indeß schreibe mir so oftals möglich.
WaS macht Schlich? was passirt sonst NcneS? An Brcnkeiihofwerde ich selbst schreibe», und mich von seiner Commission zn acauit-tircn suchen. Auch will ich von hier aus nach Hause schreiben. Ver-säume die Gelegenheit nicht, den Wein zu schicken. Leb wohl. Ich bin
Dein
treuer Bruder,Gotthold.
An Karl G. Lcssmg.
Liebster Bruder,
Ich bin über Deine» letzten Brief, in welchem Du mir Reiche»s»»Verschämtheit meldest, erstaunt, u»d würde sogleich darauf geaut-