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12 (1840)
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LessingS Briefe. 1768-

neue Journal beantwortet. Für das letzte sollen Sie mm wohl Respectbekommen! nachdem wir Klopsiocks .Herrmann, dessen Oden und Ab-handlungen über das Sylbenmaß der Alten, Gerstcnbergs llgolino, einLustspiel von Zachariä, und ich weiß selbst nicht, wie viel andere schöne

dcls ein Risiko vorhanden ist, dessen Umfang man ohne lange Erfahrungnicht wohl voraussehen, und dem man oft, bey aller Borsicht, nicht entge-hen kann. Da er mm sich mit Bodc in die Uittcrncbinung einließ, war erhauptsächlich darauf bedacht, dies Risiko zu vermeiden; weil er wohl cinsab,der große Vortheil, den sich beide Gesellschafter versprachen, möchte sonst nureingebildet sevn. Hierzu halte sein Scharfsinn folgende beide Mittel erdacht:

1) Sie wollten die Bücher, welche sie verlegten, nicht selbst auf den Messenverkaufen, sondern sie noch vor jeder Messe nach dem bescheinigten kostendenPreise mit 20 i>. r. Vortheil an einen Buchhändler verkaufe», welcher überdie Summe seine Wechsel auf billige Zahlungstermine gerichtet, geben sollte.

2) Sie wollten nichts als die Werke der besten deutschen Schriftsteller drucken,und diese sollte» iu cincm Journale erscheinen, wovon i» jeder Messe zweyoder mehr Bände herauskommen sollten.

Bon diesem Projekte gab mir Lessing in einem jetzt Verlornen BriefeNachricht, und verlangte meine Meinung. Ich antwortete in einem gleich-falls nicht mehr vorhandenen Briefe: »<! t. es würden sich keine Abnehmerfinden. Solide Buchhändler wurden nicht Bcrlag kaufen wollen und können,den andere nach ihren eigenen Ideen in Absicht auf Auflage, Koste» allerArt, Einrichtung des Drucks !c. anschafflcn. Ich setzte hinzu, solide Buch-händler würden sich nie entschließen, das Risiko der Ideen eines Andern ganzzu übernehme», (da dieses Risiko gerade die größte Schwicrigkril des deut-schen Buchhandels macht) und ihm noch dazu 20 p. e. Borlhcil, ohne alle«Risiko, zuzugeslchcn. Diejenigen Buchhändler aber, die sich solche Bedingun-gen gefallen ließen, würden am Ende ihre Wechsel nicht bezahlen. Der Er-folg hat genugsam gezeigt, daß ich hierüber richtig geurtheilt hatte. Zchsetzte noch hinzu: der Buchhändler brauche zwar nothwendig Verlag ccr gutabgehe, sonst könne er seine» Sortimciitshandcl nicht treiben, aber ei» Buch-händler könne auch selbst von gutem Verlage zu viel haben, und derjenige, derseine Bilanz überdenke, werde finden, daß er auch den besten Verlag nicht ebneMaaß mit Vortheil drucken könne. Dies hatte mich damals schon die Erfah-rung gelehrt. Zch erläuterte es noch mit dem Gleichnisse, daß ein Menschnicht ohne Blut leben, doch leicht zu viel Blut haben könne. Aber Lcssingwar nicht zu bedeuten. Er meinte, je mehr man von den Werken der bestenKöpfe verlege, desto mehr werde man verkaufen, und hatte lauter baarc»Verkauf im Sinne. 2 wiederholte ich ihm, was ich ihm schon mündlichgesagt hatte, daß diejenigen Schriftsteller, welche der Gelehrte nnd der Mannvon Geschmack für die besten erkennt, sehr oft für den Buchhändler in An-sehung des Dcbits nicht die besten sind. Dasjenige, was ich mit Lcssing ge-schwatzt hatte, gab Anlaß zu den, Gespräche über die Vorzüglichkcit der