Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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Lessmgs Briefe. 1768.

ner Tragödie als mit einer Komödie den Versuch machen sollte. ESist leichter, zum Mitleiden zu bewegen, als lachen zu machen. Manlernt eher, was Glück und Unglück/ als was sittlich und unsittlich,anständig und lächerlich ist. Ich wäre aber begierig, erst DeinenPlan zu sehen.

Hat Dir Herr Nicolai Theile vom Johnson, vom Cibber undvom Shadwell gegeben? Schicke sie mir bey Gelegenheit, denn ichbrauche sie.

Döbbclin ist ein Narr, das habe ich immer geglaubt. Wenn dasDeutsche Theater durch ihn empor kommen soll, so helf ihm Gott !Ist denn die Schulzin noch bey ihm? desgleichen die Felbrig? Michdünkt, die erste soll eS noch bedauern, daß sie von Hamburg weg ge-gangen ist. Jetzt bekommen wir die Brandes hierher, denen cS inLeipzig nicht gefallen will.

Ich habe jetzt auch Kochs Theater gesehen. Die Verzierungenausgenommen, und den Bau des Theaters selbst, kann ich Dich ver-sichern, daß cS dem hiesigen weit nachstehen muß. Ich habe die Minnada spielen sehen. Der einzige Brückner hat seine Rolle, den Tellhcim,besser gemacht, als hier Eckhof, die übrigen alle sind unendlich weitunter den hiesigen Akteurs.

Leb wohl und schreib mir bald wieder. Ich bin

Dein

treuer Bruder,Gotthold.

An Nicolai.

Hamburg , d. Z. Jul. 176S.

Liebster Freund,

Die Schuhe habe ich richtig bekommen, und ich bedanke mich.ES ist mir lieb, wenn Ihnen mcine Kriegserklärung gegen Hrn. Klotzgefallen hat, Sie sollen bald ganz andere Dinge sehen. Aber eineRecension von seinem Buche über die geschnittenen Steine erwartenSie nur nicht. Ich habe über dieses Buch so viel zu erinnern, daßich bereits an dem 2Zstcn Briefe darüber, in Form und Tone des inden Korrespondenten eingerückten, schreibe, und dicse Briefe zusammenlasse ich unter dem Titel: Briefe antiquarischen Inhalts, und mei-nem Namen, drucken. Sie sollen nächstens die ersten Bogen davonhaben. Auch die Abhandlung über die Ahnenbilder will ich nun