Lessiilgö Briefe, 175)8,
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Vorläufig aber machen Sie nur, daß er in den BraunschwcigischcnZeitungen gut rccensirt wird. Ich nenne gut/ mit einem Funkenvon dem Genie/ mit welchem er geschrieben worden. — Bald schickenwir Ihnen auch die Schlacht Hermanns: sie wird über Hals überKopf gedruckt/ und zu einer Absicht die eine zweyte Messiade wird,wenn sie dem Verfasser gelingt- — Noch könnte ich Ihnen melden,daß unser Freund Ebert den Jordin*) übersetzt, wovon er mir beyseinem Hiersevn nicht ein Wort gesagt. Ich will ihm gern jede Uebcr-setzung als ein eignes Werk anrechnen- aber nur von der Religionmüßte cS nicht handeln. Das pr » und das conlra über diesen Punkthabe ich eines so satt/ wie das andre. Lieber schreibt von geschnittn?»Steine»/ ihr werdet sicherlich wenig Gutes, aber auch wenig Bö-ses stiften:
Ich falle schon wieder in einen Ton, den Sie nicht leiden können.Nun was können Sie denn recht leiden? Soll ich Ihnen noch vonmeiner Reise etwas sagen? ES bleibt fest dabey. Ueber acht Tage sol-len Sie meinen CataloguS erhalten. Aber wissen Sie, waS mich är-gert? Daß alle denen ich sage, „ich reise nach Rom, " sogleich aufWInkelmanncn verfallen. Was hat Winkelmann und der Plan/ densich Winkclmann in Italien machte, mit meiner Reise zu thun? Nie-mand kann den Mann höher schätzen/ als ich: aber dennoch möchteich eben so ungern Winkclmann seyn, als ich oft Lessing bin! LebenSie wohl, liebster Freund. Ich will nur schließen, denn ich treffeden Ton heute doch nicht/ der Ihnen gefällt.
Dero
ergebenster Fr. und Dr.Hamburg/ Lcssing,den 18, Octbr. 1708.
An Nicolai.
Hamburg , d. 21. Oktober 1768.
Liebster Freund,
Ich schreibe heute größten Theils an Sie in der Angelegenheiteines alten guten Bekannten, der sich gegenwärtig in Berlin befin-det. ES ist Hr. ** aus Leipzig , der von dort weggehen müssen und
*) Iordins Abhandlungen über die Wahrheit der christliche» Religion.Hamburg 17LS. I» 8.