206
Lcssnigs Briefe, 1768,
thun Sie es wenigstens gleich „ach der Messe. Schreiben Sie mirdoch auch/ wo die neue Auflage der Fragmente*) bleibt?Leben Sie wohl! Ich bin
Dero
ergebenster,^^^^^ Lcssing,
An Ebcrt.
Werthester Freund!
Ich hoffe, daß dieser mein zweyter Brief an Sie nicht verlorengehen soll: er muß auch nicht, wenn ich noch weiter einen von Ihnenzu verdienen scheinen soll. VorS erste meinen großen Dank, daß Siemir die persönliche Bekanntschaft des Herrn EschenburgS verschaffenwollen. — Ich dächte, wir machten uns die guten Köpfe, welche her-anwachsen, ja auf alle Weise zu Freunden. Sie möchten sonst, anstattbloß in unsre Fußtapfen zu treten, uns die Schuhe austreten. —Meinetwegen zwar: denn machen uns diese nicht schon vergessen, sothun es sicherlich spätere. —
Sie sehen, daß ich mich seht eben nicht im Schriftsteller-Enthu-siasmus befinden mag. Meine Antwort also auf Ihre freundschaftlicheErcquirungen können Sie errathen. Zum Henker mit alle dem Bettel!WaS ich in meinem Leben noch schreibe, soll genau nach den verdreh-ten Worten des Thucydidcs abgemessen seyn, die Sie auf meinen an-tiquarischen Briefen lesen. Das Schreiben will ich Euch andernSchwärmern überlassen: so, dann und wann, ein kleines c-z,^<7^«
-r«lz«x?^« «xo-vklv, um sieben Neuntheile von meinen liebenschreibenden Landsleuten auf mich toll und rasend zu machen, das istalles was ich mir vornehme.
Meinen Sie nicht, daß diese antiquarische Briefe ein ziemlicherAnfang sind? Ich freue mich schon in voraus auf alle die Ehrentitel,die ich dafür bekommen werde. Nur ärgert es mich, daß cS so wenigewissen können, wie sehr ich mich darüber freue.
Aber ich erinnere mich, daß Sie mich in diesem Tone nicht gernehören. Also etwas, was Sie lieber hören. Der Ugolino ist fertig,und Sie erhalten mit dieser Gelegenheit ein Exemplar. Wieder einKnochen für die kritischen Hunde! Wenn sie sich genung darüber wer-den zerbissen haben: so will ich auch meinen Knittel drunter werfen.
Nämlich Herders Fragmente. Nicolai