Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
211
Einzelbild herunterladen
 

LchmgS Briefe. 1768.

211

die Leute sagen, was sie wollen. Ob sie es recht wisse»/ oder nicht.Es ist doch bloße Ncugiecdc/ und nichts weniger als Theilnahme anmeinen Umständen.

Döbbclin hat nie an mich geschrieben. Ich bin nach seinen Kom-plimenten eben so wenig begierig, als nach seinem Präsente, welchesich ihm sicherlich zurückschicken würde.

Meine Sudcleycn von entworfenen Komödien könnte ich Dir leichtgeben; aber Du würdest sie sicherlich nicht nutzen können. Ich weißoft selbst nicht mehr, was ich damit gewollt. Ich habe mich immersehr kurz gefaßt, und mich auf mein Gedächtniß verlassen, von wel-chem ich mich nunmehr betrogen sehe. Die Übersetzung des Engli-schen Werkes hingegen, über das Erhabne und Schöne, habe ich selbstnoch gar nicht aufgegeben. Es ist mir lieb, daß ich so damit gezau-dert: ich würde mit den eigenen Abhandlungen, die ich dazu machenwollen, jetzt sicherlich sehr unzufrieden seyn.

Deine Komödie habe ich weder ganz noch mit der Aufmerksamkeitgelesen, daß ich Dir mein unvcrholneS Urtheil darüber sagen könnte.Ich behalte mir es aber vor, und will die nächste ruhige Stundedazu anwenden.

Die einzelnen Theile, die Du von den neueren Italiänischen Dra-maticis mit Dir genommen, mußt Du mir je eher je lieber wieder zu-rückschicken: am besten durch Einschluß an einen Buchhändler, etwawenn Herr Nicolai einen neuen Band seiner Bibliothek anhcr schickt.Daß Du Dich nicht sehr daran erbauen würdest, habe ich wohl vor-aus gesehen. Indeß wäre der Anschlag doch immer gut, die bestenStücke des alten und neuen Italiänische» Theaters zu übersetzen, undsie mit einer kleinen Geschichte herauszugeben. Die Arbeit kann Dirnicht schwer werden, und wenn Du mehr auf Deinen Styl Acht giebst,so bist Du ihr auch gewachsen. Aber lerne Dich doch ja correkter aus-drücken! Du schniherst nicht allein wider das Genie der DeutschenSprache, sondern auch noch oft gegen ihre grammatische Regeln,wovon ich Dir, bey jedem Aufschlagen Deiner Komödie, Beyspielegeben könnte.

Nimm mir meine Erinnerung nicht übel. Studiere fleißig Moral,lerne Dich gut und richtig ausdrücken, und kultivirc Deinen eigenenCharakter: ohne das kann ich mir keinen guten dramatischen Schrift-steller denken. Lebe wohl, und schreibe mir bald wieder. Dein

treuer Bruder,Gotthold.

1t*