Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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215
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LessingS Briefe. 1768.

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druckt sehr willkommen seyn! Ich merke, was Sie besorgt macht, daßich sie vielleicht nicht ohne Bitterkeit aufnehmen möchte. ES istmein Betragen gegen den Hn. Klotz und der Ton ohne Zweifel, denich in meinen antiquarischen Briefen gegen diesen Mann zu nehmengezwungen worden. Ich bin aber sehr überzeugt, daß sich Ew. Hoch-wohlgcbohren das dictatorischc Ansehn nicht werden gegeben haben,welches sich dieser Mann giebt; daß Sie nicht der Art sind, Einwürfe,die Sie einem Schriftsteller machen, selbst, oder durch ihre Freunde,in allen Zeitungen als unverzeihliche Fehler ausposaunen zu lassen,die Sie diesem Schriftsteller gewiesen hätten, wie das Hr. Klotz zuthun pflegt; ich bin sehr überzeugt, daß Sie mit mehr Einsicht, mitverdauten« Kenntnissen, mit mehr Ueberlegung, Erinnerungen machenund Widerlegungen abfassen, als Herr Klotz; daß es Ihnen mit die-sen Erinnerungen und Widerlegungen lediglich nur um die Aufklärungder Sache, nur um die Wahrheit zu thun ist, und nicht um die Ei-telkeit, alles besser zu wißen, und auch da mit zu sprechen, wo mankein Recht hat mit zu sprechen. WaS besorgen Sie also von mir?Je mehr Fehler und Irrthümer Sie mir zeigen, desto mehr werde ichvon Ihnen lernen: je mehr ich von Ihnen lerne, desto dankbarer werdeich seyn. Und diese Dankbarkeit wird sich in jedem Worte, das ichetwa erwidern dürste, zeigen! Ich wünschte, daß Sie mich genauerkcnntcn. Wenn die Meinung, die Sie vielleicht von meiner Gelehr-samkeit und meinem Geiste haben, dabey verlieren möchte: so bin ichdoch gewiß, daß die Idee, die ich Ihnen von meinem Charakter zumache» wünschte, dabey gewinnen würde. Ich bin der unleidliche,ungcsitttctc, stolze, schmähsüchtigc Mann nicht, für den mich Hr. Klotznunmehr auSschrcyet. ES hat mir Mühe und Zwang gekostet, ein we-nig bitter gegen ihn zu seyn. Aber ich frage Sie selbst, ob er es nichtverdient hat? Ich weis, Sie sind sein Freund: aber können Sie siches denn darum selbst verbergen, daß dieser Ihr Freund ein sehr elen-des Büchclchen von geschnittenen Steinen geschrieben hat, und daß erin diesem ganzen Fache nichts geschrieben hat, was ihn berechtigenkönnte, nur mit dem taufenden Theile des Stolzes vo» sich zu spre-chen, der ihn mir so lächerlich macht?

Doch genug von diesem Manne, dessen ich sicherlich gar nichterwähnen würde, wenn mir nicht daran gelegen wäre, Ihrer Besorg«», die sich auf ihn beziehet, vorzubauen. Aber wo sind sie denn,diese Ihre Anmerkungen über den Laokoon? Wenn sie bereits gedrucktsind, so würde es mir sehr angenehm gewesen seyn, sie zugleich mitIhrem zweyten Briefe zu erhalte». Sind sie cs aber noch nicht, so