Lcssings Briefe. 1770.
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Adclmanns. Weder GalearduS noch andere BrcSciancr, wollen ihngerne so lange leben lassen, daß ihn das Gebot dcS Pabst NicolauS II.areeiidi a «liviuis «li.ieonos saeorclalog^uo <?c»»eulii»iU'!o8 mit an-gegangen. Als ob man nicht in jeder Kirche sehr rechtgläubig seyn,und dennoch ein ärgerliches Leben führen könnte. Ich suchte in derliaocolla üd^u8eoli loionl. v lUol. ganz etwas anders, als icheinen ausdrücklichen Brief von Sarlo Dcncda, in dem 47ten Theilederselben/ über diese Materie fand. Ich schicke Ihnen den Theil, umden Brief selbst zu lesen. Aber ich muß Ihnen zugleich sagen, daßich auf das Diplom, worauf sich Dcncda vornehmlich gründet, ebennicht schwören möchte. Dcncda gestehet selbst, daß daS Jahr des Kay-sers, seit seiner Erwählung zum römischen Könige, verschrieben sey.Könnte also nicht eben so wohl die eigentliche Jahrzahl verschriebenseyn? Untersuchen Sie doch das Ding ein wenig genauer, wenn Sieeinmal sonst gar nichts anzufangen wissen. —
Ihre Bemerkung wegen der alten deutschen Uebersctzung des CrcS-ceiitiuS, daß ein Theil derselben müßte in Reimen geschrieben gewesenscvn, ist sonderbar, und verdiente eine kleine Ausführung; wäre esauch nur, um auf andere alte deutsche Bücher aufmerksam zu machen,ob ihnen nicht vielleicht eben das widerfahren. Ist doch selbst mitlateinischen Dichtern eben so etwas vorgegangen. Aeltcre Ausgabendes deutschen CrcScentiuS, als Ihre von 1518, gicbt cS allerdings.Wir selbst haben hier ctnc von 1512 ebenfalls in Folio ohne Ort desDruckes. Aber auch diese kann nicht die erste seyn, denn am Endeheißt cS: „New gedruckt und geendet im Jahr 1512." Zwar dieseunsere ältere Ausgabe ist auch gar nicht einmal von der nehmlichenUebcrscyung, von der Ihre ist; als in welcher die Spuren des verwor-fenen Sylbenmaßes und Reimes, die Sie in Ihrer entdeckt haben,gar nicht anzutreffen sind. Zudem ist auch das Kapitel, aus welchemSie mir die Proben ausgezogen, nicht das fünfte des zweyten, sonderndes ersten Buchs, so wie cS dieses nach der Urschrift auch seyn muß.Bey Ihnen ist cS überschrieben, „von Erkenmniß der wonstett." Beyuns aber „von der stat da man ein Haus bauwen will, zu kennengut oder böse " Wenn Sie beyde Ueberschungcn näher vergleichenwollen, so will ich Ihnen unsere herüber senden, oder vielmehr her-aus, wie ich mit Zachariä ausgemacht habe, daß eö hcisscn muß.
Lassen Sie Ihren Adelmann in Hamburg immer durch Alberti an-kündige». Wenn ich es thue, so geschieht es für die allgemeine Bi-bliothek. Leben Sie wohl.