Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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261
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Lessings Briefe. 1770,

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seyn kann. Ich würde selbst das Manuscript, wenn ich nur auf seinenwahren Werth hätte achten wollen/ kaum des Ansehens gewürdigethaben. Nur in Betrachtung, daß eS so eine außerordentliche Selten-heit sey, glaubte ich, zu Ehren der mir anvertrauten Bibliothek, schoneinigen Fleiß darauf wenden zu müssen. Zu dem wollte ich mich gerneals einen solchen Bibliothekar ankündigen, dem nicht alles und jedesgleichgültig sey, was nicht in sein Licblingsstudium einschlägt, umschlechterdings keine Art von Gelehrten abzuschrecken, sich der Biblio-thek durch mich zu bedienen.

Freylich würde es mir lieber gewesen seyn, Denenselben, zumBehuf ihrer Ausgabe der griechischen Redner, eines und das an!?ereauffinden zu können. Aber ich muß Euer Wohlgebohrnen leider mel-den, daß unter den Manuscriptcn sich schlechterdings nichts findet,was zu dieser Absicht dienlich seyn könnte. Unter den gedruckten Bü-chern ist zwar manches, was den ^zi-n-al.im liter-u-ium von diesenRednern überhaupt vollständiger machen könnte: allein was zur Be-richtigung des Textes ersprieslich seyn könnte, davon ist mir nur wenigin die Hände gekommen, und das Wenige ist von keiner besondernWichtigkeit. Ich rechne dahin ein Commelinisches Exemplar der klei-nen Redner, welches Chr. Gryphio gehört, der auf den Rand einigesdabey angemerkt, desgleichen den ganz griechischen Abdruck der einzelnRede deS Demosthcnes «cn« Xovuvo? vu«,,«? (I^arilus apull ^»annomI^utlovioum l'ilel.inum 45ZS, in 4to) der von einer unbekannten Handmancherley verschied«- Lesarten und Verbesserungen hat, die mir nichtunbeträchtlich geschienen, nur habe ich noch nicht Zeit gehabt nachzu-sehen, ob sie nicht schon in nachhcrigen Ausgaben genutzt worden.Ich will beydes des nächsten TageS genauer anseh», und was sich nureinigermaßen der Mühe verlohnt, für Euer Wohlgebohrnen darausabschreiben lassen. Bey dieser Gelegenheit muß ich aber doch nichtvergessen zu fragen, ob Denenselben das Manuscript vom AeschineS in der Bibliothek zu Helmstädt schon bekannt? Wenn dieses nichtwäre, so könnte ich Euer Wohlgebohrnen gar leicht nähere Nachricht,ia bcnbthigtcn Falls, den eignen Gebrauch davon verschaffen. Auchhabe ich unter den Rcimarussischen Manuscriptcn in Hamburg unge-druckte griechische Scholia über die zwey Reden deS AeschineS

und 5-11-, !ra--«5s>-o-/Zkic-? gesehen: doch da Hemsterhuisderselben in seinen Noten, über den Timon des LucianS gedenkt, sowerden diese Euer Wohlgebohrnen gewiß nicht verborgen geblieben seyn.Widrigenfalls ich gleichfalls gar leicht die Abschrift davon verschaffenkönnte. Ich vctaure nur, daß Euer Wohlgebohrnen so wenig Unter-