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Lessings Briefe. 1770.
Theil des BerengariuS zu schreiben, so kann er versichert seyn, daßich fleißig fortfahren werde. Lebe wohl.
Dein
treuer Bruder,Golthold.
An Karl G. Lessmg.
Wolfenbültcl, den 11. November 1770.
Mein lieber Bruder,
Herr Moses wird Dir so etwas von einem Briefe mitgebrachthaben, in welchem ich Dir versprach, nächstens mehr zu schreibe».Das will ich jetzt zu thun versuchen, obschon mein Kopf seit einigenTagen auch nicht die geringste Anstrengung vertragen will. Doch ichweiß, Du nimmst mir es nicht übel, wenn ich auch noch so verwirrtund albern schreibe.
Vor allen Dingen bitte ich Dich, Herrn Moses zu ersuche», daßer mir die zwey versprochenen Bücher schickt. Wenn er nicht Zeithat, so laß Dir sie nur von ihm geben, und sende sie mir mit derersten fahrenden Post. Es ist John Bunckel, oder wie er sichschreibt, und Ferguson. Auf den ersien hat er mich gar zu neugie-rig gemacht, und den andern mochte ich auch gern lieber Englisch als Deutsch lese».
ES ist nicht mehr als billig, daß Du auch die Vertheidigung desP * ' gegen den Abt Pcrnetti übersetzest. Aber willst Du mir esnicht übel nehmen, wenn ich Dich erinnere, etwas mehr Achtsamkeitund Genauigkeit sowohl auf Deinen Styl als auf den Sinn DeinesVerfassers zu wenden? Besonders sind Dir in Ansehung des letzternin den zwey Theilen einige wunderbare Fehler entwischt, die ich Dirwohl ein andermal mittheilen will. Ich bin es nicht, der sie bemerkthat, sondern der hiesige Hofprediger Mittelstadt hat Deine Uebersetzungmit dem Originale verglichen, und mir einige derselben angezeigt; ober schon die Uebersetzung überhaupt sonst nicht für schlecht erkennt.
Hiernächst aber rathe ich Dir sehr, weniger zu schreiben, das ist,weniger drucken zu lassen, und desto mehr für Dich zu studieren. Ichversichere Dich, daß ich diesen Rath für mein Theil selbst weil mehrbefolgen würde, wenn mich meine Umstände weniger nöthigten, zuschreiben. Da ich mit meinem ordentlichen Gehalte nur eben auskom-men kann; so habe ich schlechterdings kein andres Mittel, mich nach