LesstngS Briefe, 1770.
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und nach ans meinen Schulden zu setzen, als zu schreiben. Ich habees, Eoti weiß, nie nöthiger gehabt, um Geld zu schreiben, als jetzt:und diese Nothwendigkeit hat, natürlicher Weise, sogar Einfluß aufdie Materie, wovon ich schreibe. Was eine besondere Heiterkeit desGeistes, was eine besondere Anstrengung erfordert; was ich mehr ausmir selbst ziehen muß, als aus Büchern: damit kann ich mich jetztnicht abgeben. Ich sage Dir dieses, damit Du Dich nicht wunderst,wenn ich Deines Mißfallens ungeachtet, etwa gar noch einen zweytenTheil zum BerengariuS schriebe. Ich muß das Brett bohren, wo eSam dünnsten ist: wenn ich mich von außen weniger geplagt fühle,will ich das dicke i^nde wieder vornehmen. Ich fühle es, daß mirschon die Umarbeitung meiner allen Schriften mehr Zeit kosten wird,als der ganze Bettel werth ist. Indeß habe ich es Herrn Voß ein-mal zu thun versprochen, und ich will mein Möglichstes anwenden,wenn er auch nur jede Messe einen Band bekömmt.
Wahrlich, ich möchte Dir gern noch manches schreiben — beson-ders was TheophiluS und unsere Mutter betrifft; — aber der Kopfist mir über meine schurkischen Umstände vollends noch so wüste ge-worden, daß ich kaum mehr weiß, was ich schreibe. Lebe wohl. Ich bin
Dein
treuer Bruder,Eotthold.
An Hcyne.
Wolfcubütt-l, d. 20. Nov. 1770.
Was werden i?w. Wohlgeb. von mir denken, daß ich Ihnen aufDero letztes, nebst dem beygefügten mir so angenehmen Geschenke,meine Antwort und meinen Dank so lange schuldig bin? Ich willmich lieber gar nicht entschuldigen, als schlecht. Abhaltungen undZerstreuungen zwar, habe ich die Zeit, die ich hier in Wolfenbüttel bin, genug gehabt; — sollte ich mir sie auch schon muthwillig selbstgemacht haben, wovon vielleicht der Beyschluß ein Beweis ist, der mirvermuthlich bey wenigen (5hrc machen wird. Ich will aber auch garnicht, daß man so etwas für mehr ansehen soll, als für die Arbeiteines Bibliothekars, die mit dem Staubabkehrcn in einer Klasse steht.
Ob mich der Widerspruch, womit Sie mich beehrt haben, belei-digen könne? — Wenn gewisse Männer mich nicht besser kennen, sosollten sie wenigstens sich selbst besser kennen. Mag doch von unsbeyden Recht haben, wer da will, wenn nur Rloy nichl Recht hat.