LessingS Briefe. '1771,
Schwester schreibt, nicht ohnedem Nachsicht habe» wollen: so hin ichgern crböthig, ans gcwißc Termine ihnen meinen Wechsel oder Obli-gation darüber auszustellen; in der festen Absicht, sie als ein ehrlicherMann zu befriedigen, so bald es meine eigene Umstände, die nochbis itzt selbst sehr verwirrt und kümmerlich sind, nur immer zula-ßen werden.
Meine liebe Schwester mag mir es vergeben,, daß ich ihr auf ih-ren weitläuftigen Brief nicht antworten kann. Ich nehme an denKränkungen, die ihnen beiden in Camenz wiedcrfahrcn, sehr viel An-theil: aber wie kaun ich denselben abhelfen? Über eine Art dieserKränkungen nur, nehmlich über die, welche Ihnen von den elendenCollege» des sccligcn Baters erwiesen werden, müßen Sie sich hin-wegsetzen, und sie blos mit Verachtung ansehen.
Ick habe mir von meinem Letter, dem Hrn. Jnspector, immerdie besic Idee gemacht, und ihn jederzeit für einen rechtschaffnenMann gehalten. Er kann es also wohl unmöglich seyn, der Siewegen einiger kleineu Lorscküße allzusehr drücken sollte. Ich bitte ihnindeß in meinem Ramcu zn versichern, aller seiner Anfoderuugen we?gen rnhig zu seyn, und mich für seinen Schuldner anzusehen.
An den Bruder Theophilus will ich mit nächster Post schreiben.Der Hr. Oberjägermeistcr von Carlowitz allhier, ist der Meinung, daßer um die Stelle des seeligcn Vaters anhalten müßc. Da ich nunaber gar nicht weiß, wie die dortigen Umstände sind: so kann ich we-der ja nock nein dazu sagen, und muß alles seiner eigenen Überle-gung anheim stellen.
linier Anwünschung der beste» Gesundheit und möglichster Fufricdcuheil bet) dem Antritte dieses neuen Jahres, verbleibe ich vor itzo,da mir meine Geschäfte nicht erlaube» wollen, weitläuftiger zu schreiben,
Dero
Wolfcnbüttel, d. 7 Jauuar treugchorsamster Sohn
1771- Gollhold.