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Lcssings Briefe. 1774.
von der alle unsere Freundinnen sind. Doch man wird Ihnen ohneZweifel schon von Hamburg aus davon geschrieben haben; und ichmöchte nur gern von Ihnen wissen, ob Sie es nicht, wenn Sie nachHamburg zurückgekommen, Ihr Erstes werden seyn lassen, ein Mit-glied von dieser empfindsamen Gesellschaft zu werden? — Ich hättegroße Lust, Ihnen immer im Loraus das Patent nach Wien zuferli-gen zu lassen; wenn ich nur eist gewiß wüßte, daß Sie schon wiedervöllig gesund wären, oder es auch dadurch werden könnten.
Inzwischen macht diese Ungewißheit, daß ich an nichts andersdenken kann und wag. Schreiben Sie mir ja, liebste Madam, gleichnach Empfang dieses, auch nur ein Paar Zeilen, wenn Sie es nichtschon gethan haben. Daraus allein will ich erkennen, ob Ihnen andem Antheile, welches ich an allem nehme, was Sie betrifft, dasGeringste gelegen ist.
Dero
ergebenster FreundLcssing.
An Nicolai.
Wolfenbüllcl, d. 10. Februar 1771.
Liebster Freund,
Schreibe nur einer in Betreff der Bibliothek an mich, so soll erwohl sehen, wie geschwind ich antworte. Aber dessen ungeachtet kannich Ihrem Herrn — wie heißt er? — nicht unmittelbar antworten.Denn Sie nennen ihn in Ihrem Briefe nicht, und in seinem Briefekann ich den Namen nicht lesen, eben so wenig als seine Adresse.Seyn Sie so gut, und melden ihm also, daß von dem JsidoruSLharaccnuS hier nichts zu haben ist, so wie überhaupt von keinem derkleinern griechischen Geographen, die Hudson herausgegeben hat —damit es ihm nicht etwa einfalle, eben so vergeblich nach einem an-dern derselben zu fragen.
Und nun, bey der Gelegenheit, was uns angeht. Ich weiß esfreylich wohl, daß Klotz sein Büchelchcn lateinisch herausgeben will:und wie man mich versichern wollte, so soll cS so gar schon serlig seyn.In gller Wahrheit; auf diese Ausgabe habe ich nur auch mit gewar-tet, ehe ich mich an den dritten Theil der antiquarischen Briefe machte.Warum sollte ich dem Manne mir noch mehr Fehler ausmustern hel-fen? Er wird in der Ucbersetzung Gebrauch davon machen, dachte