LcssingS Briefe. 1771.
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ich, und mich doch noch dabey herunter reißen. Hiernächst aber habeich fast noch mehr auf Riedels Lcssingische Briefe gehofft, wovon dieersten drey, wie Sie wissen, in den Erfurter Zeitungen, so wie derenvöllige Ausgabe in ein Paar Meßcatalogen hinter einander/ gestanden.Wo klebt denn der elende Mensch? oder hat er mich etwa nur durchDrohungen abschrecken wollen? — Dieses zusammen, liebster Freund,ist die eigentliche Ursache, warum ich den dritten Theil noch liegengelassen, und mich indeß mit andern Possen beschäftigt habe. Epi-gramme habe ich nun zwar nicht gemacht, (höchstens nicht mehr alszwey oder drey), sondern mich jetzt nur geschämt, sie einmal gemachtzu haben. Die kleinen Schriften sollen nun mit aller Gewalt wiedergedruckt werden, und da habe ich ja wohl meine allen Papiere durch-stänkern müssen, um das gar zn Elende, wenn nicht durch etwasBesseres, wenigstens durch etwas Anderes zu ersetzen.
Viel lieber hätte ich an dem zweyten Theile des Bcrengariusgearbeitet. Denn sagen Sie davon, was Sie wollen, es ist doch das-jenige Buch von allen meinen Büchern, bey dessen Niederschreibnngich das meiste Vergnügen gehabt habe, und mir die Zeit am wenig-sten lang geworden ist. Warum soll ich wich mit andern Dingen lie-ber martern, und doch am Ende nichts Rechtes heraus bringen?Mein SpartacuS soll darum doch noch eher fertig werden, als wir inDeutschland ein Theater haben.
Was Sie mir von unserm MoseS melden, freuet mich recht sehr;und wenn bey dem allen keine Pension darauf folgt, so hat ihmdoch die Acadcmie mehr genommen als gegeben. Grüßen Sie ihnvon mir. Ich denke doch, er wird den Diophantus empfangen haben.Wie will er sich gegen die Jcnaischc Zeitung verhalten, die ich end-lich nun gelesen habe? Er wird es doch nicht wiederum, nach einemso hämischen Schlage mit einem verraiherischcn Streicheln hinterher,gut seyn lassen wollen? Wo bleibt denn Ihre Bibliothek? Und ^olinLuiiclo? — Lassen Sie mich doch ja nicht länger nach diesem schmach-ten. Bedenken Sie doch nur, daß ich in meiner Einsamkeit einensolchen Gesellschafter ja wohl brauche. Wegen ° ° ° werde ich ohneZweifel sehr gern Ihrer Meynung seyn: aber daß ich es wegen Klop-stock seyn muß, thut mir leid. Leben Sie recht wohl. :c.
Der Ihrige.
Lcssing.
'^ssingü Werk- xii.
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