Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

Lessings Briefe. 1771.

2W

Dem K. habe ich seine Interims-Sentenz vorgelesen. Aber dieSache scheint sich nun ins Weite zu ziehen, da Madam St" sichnicht zugleich damit abgeben kann. Thun Sie indeß Ihr Bestes: erist bereit, bey der geringsten anscheinenden Hoffnung in Person über-zukommen, und ich habe ihm versprochen, ihn zu begleiten, es seyauch wenn cS wolle. Und wenn es auch noch vor dem August wäre,da ich ohnedem in Hamburg seyn will. Doch denke ich nicht, daßmir mein Ziel durch diese Sache sehr soll verrückt werden.

Warum ich unmöglich eher in Hamburg seyn kann, habe ich Ih-nen, meine liebste Freundinn, glaube ich, schon mündlich gesagt. Ichmuß, zu Ausgang des Julius, noch erst einen Besuch aus Leipzig abwarten; der zwar nicht eigentlich mir, sondern der Bibliothek gilt,dem ich aber eben auch darum um so weniger aus dem Wege reisendarf. Wie ungern schlage ich das Vergnügen aus, den Brunnen inIhrer Gesellschaft zu trinken! Ihn aber so lange zu verschieben, dasist auf keine Weise rathsam, weder für den Brunnen, noch für den,dem er helfen soll. Fangen Sie also immer je eher je lieber damitan, und ich will auf meinem Wolfcnbüttelschen Schloßwalle ein Glei-ches thun. Werden Sie nur dadurch so gesund, als ich zu werdendenke, so können wir das Wasser, das wir mit einander nicht ge-trunken haben, mit einander in Wein nachholen. Nicht wahr, dasist gerade eine Partie, wie man sie einer Dame vorschlagen muß?Doch es ist so böse nicht gemeint; denn ich will Ihnen bey dieserGelegenheit nur sagen, daß ich mir den Wein ganz und gar abge-wöhne; und daß ich also schon Einen Ort weiß, den ich in Hamburg nicht wieder besuchen werde, den Reller.

ES wäre denn, daß ich mich einmal von dem V. dahin schleppenließe, um die scandalöse Chronik des Jahres meiner Abwesenheit mitihm durchzublättern und um ihm zugleich den Text zu lesen, we-gen seines Betragens mit Sch. Dieses ist sehr unartig; und wennsich die dadurch verursachte Trennung indeß nicht wieder zusammenzieht, so habe ich in Hamburg ein Vergnügen weniger, worauf ichmit gerechnet hatte. Aber ich kenne Jemand, der mich auch dafürschadlos halten soll.

ES ist eine verfängliche Sache, wenn man auf sich selbst rathe»soll; eS sey im Guten oder im Bösen. Indeß weiß ich nicht, wercS mir schon gesagt hatte, daß ich in leibhafter Person auf demTheater in Hamburg seit einiger Zeit spielen solle. Nun ist es mirum so viel lieber, von Ihnen zu hören, daß es doch in so gar leib-hafter Person nicht ist. Denn wahrlich, ich möchte meine Person