Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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302
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Lcssings Briefe, 1771.

An Madame König.

Wolfcnbüttcl. den 3. Inn. 1771.Meine liebste Freundinn!

eben erhalte ich einen Brief von Madam Sch., aus welchemich sehe, daß Sie schon wieder einen schlimmen Fall gethan haben.Aber was heißt denn das, daß Sie so oft fallen? Und warum setzenSie mich selbst nicht geschwind aus der Unruhe, in der ich mich we-gen dieser Nachricht befinden muß? Ich will nicht hoffen, daß Folgendieses Falles Sie daran verhindern. Das wäre allzuarg; mid so argmacht es mir Madam Sch. doch nicht, wenn sie mir anders dasSchlimmste nicht lieber hat verschweigen wollen.

Sie waren so geschwind, mir zu melden, daß Sie ein Glück mitmir theilen wollten. Wenn die weit langsamere Meldung, daß Siekeines mit mir zu theilen haben, nicht Ihre Unpäßlichkeit zum Grundehat, so danke ich Ihnen auch dafür. Und doch würde mir die ebenso geschwinde Versicherung, daß Sie mich eben darum für kein Unglückskind halten, weil man in meiner Gesellschaft sein Geld verspielt,nicht weniger willkommen gewesen seyn.

vine einzige Feile, meine liebste Freundinn, so bald cS Ihnenmöglich ist! Ich bitte Sie recht sehr darum. Die Wcimarischc Herr-schaft kömmt diesen Nachmittag, die Bibliothek zu besehen: und ichwollte, dieser Besuch wäre schon vorbey. ES ärgert und kränket michjetzt ohnedem schon so Vieles, daß ich, um fremden Leute» ganz un-ausstehlich vorzukommen, nicht noch nöthig habe, Sie krank zu besor-gen. Aber Sie sind es auch nicht. Nicht wahr, Sie sind es nicht?

Dero

ergebenster_ Lessing.

An Glcim.

Wolfenbüttel , d. «. IuniuS 1771.

Liebster Freund,

Ich bleibe Ihnen meinen Dank für das angenehme Geschenk Ih-rer Elise etwas lange schuldig. Aber Sie kenne» meine Nachlässigkeitim Schreiben seit langer Zeit, und haben nie etwas Nachteiligesdaraus geschlossen. Sollten Sie nun erst anfangen, an meiner Freund-schaft und Hochachtung darum zu zweifeln? Das thun Sie gewiß nicht.