Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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317
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LessnigS Briefe. 1771.

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beunruhigen. Als ob Sie der Sorgen und Unruhe nicht ohnedemschon genug hätten! Sie sollen an mich nur immer mit den heiterstenzufriedensten Vorstellungen gedenken. Ich bin nicht allein in Braun-schwcig glücklich angekommen, sondern sitze nun auch schon wieder seitzwey Tagen auf meiner Burg in Wolfenbüttel , und bin gesund undvergnügt. Frcvlich würde ich unendlich vergnügter seyn, wenn meineEinsamkeit durch den Umgang der einzigen Person belebet würde, nachderen beständigem Umgange ich jemals geseufzet habe. Aber schon dieHofnung, daß mir dieses Glück noch aufgehoben, macht mich vergnügt;und soll man darum mißvergnügt seyn, weil man nicht so vergnügtist, als man zu seyn wünschet?

Meine Liebe, erhalten Sie sich ja bey Ihrem alten Muthe. ESwird gewiß noch alles für Sie so gehen, als Sie cS verdienen. ESwird sich eine Schwierigkeit nach der andern verlieren, und mich dünktbereits die erste in der Aeußerung Ihres Schwagers gehoben zu sehen.Da er Ihnen einmal bekennt, daß es mit seiner Frankfurtschcn Hof-nung nichts ist, so seyn Sie gegen ihn nicht zu kalt und zurückhal-tend. Dringen Sie nun in ihn, wie Sie in ihn zu dringen Rechthaben. Er ist doch immer ein Mann, der Ihres Vertrauens werthist, und der vielleicht nur zweifelt, ob Sie ihn wirklich dafür halten.

Die Antwort aus Salzburg hätte freylich für die nähere Erfül-lung unserer Wünsche besser ausfallen können. Aber ohne Grund magsie doch wohl nicht seyn. Mein Rath kann in dieser Sache so vielals nichts gelten: und gleichwohl dünkt mich auch, daß Sie ein Ge-schäfte nicht so platterdings abgeben müssen, welches Ihnen so vielMühe und Sorge gekostet, wenn cS sich anders anläßt, diese Sorgeund Mühe einmal zu belohnen. Sich weiter derangiren müssen Siefreylich nicht; Sie müssen nicht noch mehr hineinstecken: aber es aufden Fuß zu continuiren, auf dem cS sich bereits befindet, daS, sollteich meinen, müßte doch möglich und vorthcilhaft seyn. ES kömmt al-les darauf an, daß Sie einen Mann finden, der Ihnen die Arbeitdabey erleichtert: und ich hoffe, daß Ihnen der in Ihrem Schwagernun schon gewiß ist.

Wie sehr wünschte ich, daß ich es selbst scvn könnte, der Ihnenalle diese Lasten abzunehmen im Stande wäre! Oder noch mehr, daßich Sie antreiben könnte, alle diese Lasten nicht abzulegen, sondernabzuwerfen, in der Versicherung, Sie dafür schadlos zu halten!

Ich denke auf Neues, was ich Ihnen zu unserer Beyder Zer-streuung schreiben könnte. Herr W** ist hier ganz durchgefallen.Er schmeichelt sich vergebens, wenn er sich die geringste Hofnnng