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12 (1840)
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LessingS Briefe. 1771.

macht, daß seine Vorschläge wegen einer Bank noch Statt findenwerden. Sie sind lediglich von ihm selbst und den mit ihm verwand-ten Familien in Braunschwcjg gekommen; und der Hof hat sich ganzleidend dabcv verhalten. Ich will wünschen, daß ihm andere Projektebesser gelingen mögen. Wegen seiner Akademie hat er, ich weiß nichtob im Spaße oder Ernste, Zachariä Vorschläge gethan, und ihm dieDirektion davon mit 1000 Dukaten angetragen, wenn er zugleich eineArt von Protektion von Seiten des Hofes dafür auswirken könnte.Schreiben Sie mir doch, ob es sich bestätiget, daß er sie demohngeach-tct nun will auffliegen lassen.

Oder schreiben Sie mir lieber, was mich mehr intcrcssirct. Dennwas gehen uns fremde Angelegenheiten an? Sie können mir cS nichtoft genug schreiben, daß Sie mich lieben, und sich von meiner Liebeüberzeugt halten. Die Antwort auf den Brief Ihres Herrn Bruderslege ich das nächstcmal bcv- Leben Sie indeß recht wohl- Ich um-arme Sie tausendmal und empfinde in Gedanken alle diese Umarmun-gen erwiedert-

Dero

getreucstcr

__^ Lessing.

An Karl G. Lcssmg.

Wolfcnbüttel, den 14. Nov. 1771.

Mein lieber Bruder,

Da ich heute an Herrn Voß den Anfang zum zweiten Theile dervermischten Schäften sende: so will ich auch zugleich auf Deinen letz-ten Brief, und besonders den vornehmsten Punkt desselben, antworten.

Ich sage Dir also kurz und gut Ob ich schon mit meiner ge-genwärtigen Situation eigentlich nicht Ursache habe, unzufrieden zuseyn, auch wirklich nicht bin; so sehe ich doch voraus, daß meine Be-ruhigung dabey in die Länge nicht dauern kann. Besonders würdeich die Einsamkeit, in der ich zu Wolfcnbüttel nothwendig leben muß,den gänzlichen Mangel des Umgangs, wie ich ihn an andern Ortengewohnt gewesen, auf mehrere Jahre schwerlich ertragen können. Ichwerde, mir gänzlich selbst überlassen, an Geist und Körper krank: undnur immer unter Büchern vergraben seyn, dünkt mich wenig besser,als im eigentlichen Verstände begraben zu seyn. Folglich, wenn ichvoranSsehe, daß eine Veränderung mit mir endlich doch nothwendigseyn würde- so wäre es freylich eben so gut, wenn ich je eher je lie-ber dazu thäte; besonders, wenn diese Verändcrnng wirkliche Verbcsse-