Messings Briefe. 1771.
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rung meiner äußerlichen Umstände seyn konnte, die nach den,/ was miralles auf dem Halse liegt, viel zu kümmerlich sind. — Aber ein Vor-schlag nach Wien ? Was kaun da» für einer scvn? Wenn er dasTheater betrifft: so mag ich gar nichts davon wissen. Das Theaterüberhaupt wird mir von Tage zu Tage gleichgültiger/ und mit demWiener Theater, welche» unter einem eigennützigen Jmpressario steht,mochte ich vollends nichts zu thun haben. Die schönsten Vcrsvrechun-gcn, die bündigsten Verabredungen, die ich dort fodern und erwartenkonnte, würden doch nur Versprechungen und Verabredungen von undmit einem Particulicr seyn, und man müßte mir cS hier sehr verden-ken, wenn ich eine gewisse dauerhafte Versorgung ungewissen Aussich-ten aufopfern wollte. — Doch vielleicht betrifft der Vorschlag dasTheater nicht, wenigstens nicht unmittelbar; und in diesem Falle, ge-stehe ich Dir, würde ich mich nicht sehr bedenken, Wolfenbüttcl mitWien zu vertauschen. Ich sehe voraus, daß ich bey diesem Tausch inallem Betracht gewönne.
So viel kannst Du dem Herrn Professor Sulzer in meinem Na-men versichern, mit dem verbindlichsten Danke für seine gütige Ver-wendung bey dieser Sache. Ich erwarte sodann seine weitere Aeuße-rung, und zwar je eher je lieber, weil ich sonst hier gewisse Dingeallzulange verzögern müßte/ die mich hernach mehr binden würden,als ich im Grunde itzt gebunden bin. Ucberrciche zugleich Herrn Sul-zcr ein Exemplar vom ersten Theile der vermischten Schriften.
WaS den Abdruck des zwcvtcn anbelangt, so bitte ich Dich rechtsehr, die (sorrectur so genau wie möglich zu besorgen. Ich sende heuteden Abschnitt der Oden, an der Zahl IX Stück, und den Abschnittder Fabeln und Erzählungen, an der Zahl 14 Stück, welche in derOrdnung so folgen müssen, wie sie numerirt sind. Wenn Herr Ram-lcc auch von diesen Bogen die letzte Revision übernehmen wollte, sowäre mir cS um so viel lieber. Er kann in der Geschwindigkeit ge-wiß Manches glücklicher ändern, als ich es im Stande bin; zudemwürde die Rechtschreibung auch übereinstimmender. Bitte ihn alsodarum in meinem Namen. Das letzte Stück unter den Oden ist inder Vossischcn Zeitung benannten Jahres gedruckt, welche Du nachse-hen kannst, wo das Geschriebene nicht deutlich scvn sollte.
Lebe wohl »nd schreibe mir bald.
Dein
treuer Bruder,Gotthold,