Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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LessingS Briefe, 171 1,

nicht mich völlig beruhiget haben. Denn auch nach diesen sind Sienicht wohl und wenn nur nicht schlimmer, als Sie mir meldenmögen! O, meine Liebe, lassen Sie sich ja Dinge nicht so nahe ansHerz gehen, die nun einmal nicht zu andern sind. Bedenken Sie,daß Ihre Gesundheit das Kostbarste ist, was Sie Ihren Kindern er-halten können.

Sonst ist ja der Schritt, den Sie gethan haben, recht gut, sosauer er Ihnen auch geworden. Sie haben Luft, und können IhreAnordnungen mit Gemächlichkeit machen. Auch ist cS allerdings einGlück, daß Sie in allen Fällen einen einsichtsvollen, ehrlichen Mannnunmehr zu Rathe ziehen können.

Ich hoffe, es wird alles noch besser gehen, als Sie glauben. Wennaber in Kurzem Ihr Herr Schwager, oder Sie, nach Wien müssen:so wünschte ich doch, daß Sie selbst die Reise dahin thäten; verstehtsich, wenn cS Ihre Gesundheit erlaubt, und cS bis zum Frühjahr ver-schoben werden könnte. Denn ich denke, daß Sie selbst mehr ausrich-ten würden, als jede andere Mannsperson, auch außer Ihrem Schwa-ger. Und dann wünschte ich dieses auch meinetwegen. Ich fändeSie sonach wohl schon in Wien , und doch, ich will mir meinGlück nicht gar zu gewiß vorstellen- Lassen Sie uns ruhig scrn, unddas Beste hoffen, und icden Augenblick nur immer das thun, wasRechtschaffenhcit und Klugheit für das Gegenwärtige von uns fordern.

Rechtschaffenheit und Klugheit beyde zugleich, meine Liebe!Ich fürchte, ich fürchte, daß Sie bey der gegenwärtigen Lage IhrerSachen nur allzu geneigt sind, die erstere zu überspannen. Auch da-her ist mir eS lieb, daß sich nun ein Mann dabey intcressirt, der hof-fentlich von dieser Seite mehr Kaufmann ist, als Sie. Ich wollteIhnen um alles in der Welt nicht rathen, sich eine unredliche oderauch nur zwevdcutige Handlung zu erlauben, wenn Sie auch, ich weißnicht was, damit retten oder gewinnen könnten. Ich wäre es werth,mich um alle Achtung damit bey Ihnen zu bringen. Aber ich sorgenur, daß Sie sich über Diuge Bedenklichkeiten machen könnten, nicht,weil sie Ihnen unredlich, sondern weil sie Ihnen nur nicht uneigen-nützig genug vorkommen.

Schreiben Sie mir ja bald wieder, meine Liebe, wenn cS auchnur ein Wort seyn sollte. Mein voriger Brief reuet mich. Dennso viel ich mich erinnere, habe ich Ihnen nichts als Thorheiten dämmgeschrieben, die Ihnen ganz zur Unzeit werden gekommen seyn. Ichglaubte Sie eben so ruhig, als mich. Ich muß Sie noch auf un-sere gute Z. verweisen! Wollten Sie mit ihr tauschen? Wollten Sie