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Lessings Briefe, 1772.
Endlich sind Sie doch da wohl und gesund angelangt? Und habenIhren Weg so gut und glücklich zurückgelegt, als cS bev der schlech-ten Witterung nur immer möglich gewesen? — Machen Sie ja, daßich in den nächsten Tagen Versicherung davon erhalte. Sie glaubennicht/ wie besorgt ich um Sie bin. Mich hat die Nacht in meinemBette gefroren, wenn ich aufwachte und mich besann, was Sie indiesem Augenblick vielleicht ausstehen müßten.
Wenn ich Sie nur erst über Nürnberg weiß, und zuverlässigglauben darf, daß Sie gesund sind.
ES wäre noch zu zeitig, etwas von dem schriftlich zu wiederholen,was wir einander mündlich versichert haben. Ich rechne auf Ihr gu-tes Gedächtniß, und weiß, daß.das Gedächtniß noch einmal so gutist, wenn ihm das Herz ein wenig cinhilft.
Also wird dieser Brief auch ganz kurz fern; welches er schon des-wegen seyn müßte, weil die Post den Augenblick abgehet, wornach ichmich zu spät erkundigt habe. — Nur noch eine Neuigkeit. Eben alsSie weg waren, erfuhr ich, daß Bernstorf den 48ten in Hamburg plötzlich gestorben. Es ist doch sonderbar!
Nun leben Sie recht wohl, und reisen Sie glücklich weiter.Meinen vielfältigen Empfehl an den Herrn Schwager. Ich bin
ganz der IhrigeL.
N. S- Itzt sehe ich erst, daß ich keine Addrcsse nach Nürnberg von Ihnen habe; sondern nach Augsburg , weswegen der Brief auchwohl noch einen Posttag liegen bleiben kann.
An den Herzog Karl von Brauiischwcig. °)
Ich unterstehe mich, eine große Kleinigkeit an Ew. Durchlauchtzu bringen, die jedoch für mich darum keine Kleinigkeit ist, weil ichnicht gern das Geringste thun oder geschehen lassen wollte, was Ew.Durchlaucht wünschen könnten, daß es gar nicht oder anders gesche-hen wäre.
Döbbelin hatte erfahren, daß eine neue Tragödie von mir, dieich aber bereits vor einigen Jahren ausgearbeitet, gegenwärtig in Ber-lin gedruckt werde. Er bat mich, ihm das Manuscript davon zukom-
*) Lessings Leben I, S. 330.