Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
359
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Messings Bricfc. 1772.

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überhäufte Geschäfte haben: und höchstens, daß diese so gut nicht ge-hen, oder so gut sich noch nicht anlassen, als daß Sie Ihre Freudedarüber mit einem Freunde zu theilen nicht erwarten könnten. Indiesen Gedanken bin ich ruhig, oder muß eS vielmehr seyn.

Auch ich stecke iht in Arbeit bis über die Ohren, und quäle undpussle mich den ganzen Tag. Ich möchte nehmlich, was ich in derBibliothek angefangen habe, und das ist nichts EeringerS, alshundert tausend Bücher in eine völlig andre Ordnung bringen gerndiesen Sommer zu Stande haben; um vorkommenden Falls so ge-schwind hier abbrechen zu können, als möglich. Da ich aber dieses,und sonst noch andre Dinge, auf meinen Abzug einrichte: so lasse ichmir doch gegen keine Seele das Geringste davon merken; vielmehr thueich, als ob ich hier leben und sterben wollte. Und wie leicht kann die-ses auch wirklich kommen! Denn ich sehe, daß sich in Wien die Sa-chen sehr auf die lange Bank ziehen; und daß man entweder gar nochnicht recht weiß, was man thun will, oder daß man cS sich wenigstensnoch nicht zu thun getrauet, so lange als zwev gewisse Augen nochoffen sind. Aber immerhin! Ich will hier seyn, wie wir überhauptin der Welt seyn sollten: gefaßt, alle Augenblicke aufbrechen zu kön-nen, und doch willig, immer länger und länger zu bleiben. Ichwerde auch sogar nicht nur willig, sondern auch mit vielem Vergnügenbleiben, mit der einzigen Bedingung, die Sie wissen, meine Liebe.

AuS Hamburg haben Sie ohne Zweifel öfter Bricfc als von mir.Sonst könnte ich Ihnen sagen, daß sich Ihre Kinder recht wohl befin-den. Madam Sch. schreibt mir cS; eben als sie bey ihr zum Besuchegewesen. Daß Herr Sch. eine Reise nach Berlin und Leipzig ge-macht, und sich ihr abermals in Dresden befindet; daS wissen Sieauch wohl schon. Sie können sich leicht einbilden, was er für Aus-sichten da hat; und ich will ihm von Herzen viel Glück dazu wün-sche». Aber mich dünkt, daß er der Mann durchaus nicht ist, derglei-chen Dinge zu unternehmen, oder Vorschläge dazu annehmlich zumachen. Doch vielleicht, daß ihn F. nur als sein Instrument braucht,welcher mir wohl ehedem gesagt, daß er eben so etwas vorhabe.

Aber nun etwas recht Neues, was Sie wohl schwerlich schon wissen.

Unser Herr von K- ist in Hamburg , und geht in allem Ernstedarauf um, eine reiche Frau dort aufzujagen. Er hat auch schon wirk-lich etwas auf der Spur, und ich will nicht viel wetten, daß cS ihmnicht damit gelingen sollte. Wenigstens schreibt mir der Vetter,denn Sie können leicht denken, daß er den zu seinem treuen Gefähr-ten daselbst hat daß sich die Sache sehr gut a»lassc! und wenn ich