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Nun leben Sie recht wohl/ meine Liebe. Gott gebe/ daß ich baldeinen Brief von Ihnen erhalte, und daß Sie indeß meine Briefe be-kommen habe»! Meinen Empfehl an Ihren Herrn Schwager. Ichumarme Sie tausendmal, und bin Zeitlebens
der Ihrige
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An Madame König.
Wolfenbüttel, den 27. Jun. 1772.
Meine Liebe!
Freylich hätte ich Ihnen öfter schreiben sollen; und wenn ich Ih-nen so oft geschrieben hätte, als ich eS thun wollen/ so hätte ichIhnen auch wirklich sehr oft geschrieben. Aber ich weiß selbst nicht/waS bald diesen, bald jenen Posttag, eben in dem Augenblicke, da ichmich Hinsehen wollte zu schreiben, mich leider daran verhindern müssen.Nur das weiß ich, daß die Ursache, warum cS seit drey Wochen nichtgeschehen, lediglich diese ist, weil ich einen Brief an Gcblcrn mitbeschließen wollte, und auf seine Komödien, wovon ich ein Exemplarunserm Herzog überreichen sollen, von einer Zeit zur andern wartenmußte. Ich habe sie auch nur vor einigen Tagen erst bekommen, undsie nur erst gestern überreicht; wovon ich ihm die gnädige Aufnahmein Beylegendem mit mehrern melde. Denn auch ich sehe nun wohl,warum eS dem guten Mann zu thun ist. Er will Weihrauch; undes ist ihm gleichviel, wer ihm diesen streuet. Mir aber ist es nichtgleichviel, daß ich das wenigstens im Namen eines Herzogs loben darf,was ich in meinem Namen weder loben kann noch mag.
Inskünftige will ich cS aber wohl bleiben lassen/ und mich durchsolche, uns nichts angehende Dinge, um das Vergnügen Ihrer Briefebringen. Den» wahrlich, meine Liebe, Sie mögen mir von der Freude/die Ihnen die mcinigen machen, sagen, was Sie wollen, so kömmtsie doch sicherlich nicht der Freude bey, die mir Ihre Briefe verursa-chen. Wer hiernächst von uns beyden ihr am meisten aufgemuntert zuwerden nöthig hat, das wäre noch eine große Frage. Sie haben dochweiter nichts als Sorgen, deren Ende Sie absehen können, auf eineoder die andere Weise. Mir aber ist iht nicht selten das ganze Lebenso ekel — so ekel! Ich verträume meine Tage mehr, als daß ich sieverlebe. Eine anhaltende Arbeit, die mich abmattet, ohne mich zu ver-gnügen; ein Aufenthalt, der mir durch den gänzlichen Mangel allesUmganges — (denn den Umgang, welchen ich haben könnte, den mag