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Lessings Briefe. 1773.
der Gelehrten zu erkundigen: so bin ich doch kein Frauenzimmer, dasseine Jahre lieber verschweigen möchte. Ich bekenne Ihnen nnd Ih-rem Namensvetter in Gießen also aufrichtig, daß ich 172!) gebohrenbin, und zwar im Jcnncr. Wo? will er ja wohl nicht wissen; undich wüßte es vielleicht selbst nicht.
SS wird mich herzlich freuen, Sie vor den Feyertagcn hier zusehen. Besinnen Sie sich ja nicht anders. Ich habe Ihnen so vielzu sagen/ daß ich gar nicht weiter schreiben mag.
Dero
ergebensterL-ssing.
D. 12. Dccemb. 1773.
Mein lieber Schmid!
Das ist mir freylich nun nicht recht lieb, daß unser Stella schongedruckt ist. Wer Henker kann alle Sammlungen und Schmierercyender I^onZoliorurn kennen und im Kopfe haben? Indeß ist mir esdoch auch nicht so ganz unangenehm. Denn gegen Sie, unter vierAugen, einmal zu prahlen, so kann man aus beyden Ausgaben nunsehen, was für ein Unterschied es ist, wenn ich oder Longolius soeinen Quark herausgebe. Mit allem Fleiße, den Longolius darausverwendt, hat er doch den einzigen wichtigen Gebrauch nicht gesehen,der davon zu machen war. Nehmlich die daraus fließende Enldccknng,daß das Tieyemannsche Epitaphium in Leipzig untergeschoben, undvon Stella untergeschoben ist. Halle ich gewußt, daß die Schrift vonStella schon gedruckt sey, so würde ich sie nicht des AnschnS gewür-digt haben, und so würde diese Entdeckung vielleicht nie seyn gemachtworden. Aber wie gesagt, lieber Schmid, diese Großsprecherei) unteruns! Ich will es gewissen Leuten gern gönnen, sich damit groß zumachen, und zu kitzeln, daß sie so etwas besser gewußt, als ich. DaSwird hoffentlich auch der Fall des Herrn Schirach seyn, dessen Zei-lungSblatt ich noch nicht gelesen habe. Sie werden mir einen Ge-fallen thun, wenn Sie mir es gleich mit der morgenden Post schicken.Mündlich mehr.
Ihr
ergebensterLessiug.
Zugleich bitte ich Sie, mein lieber Schmid, um eine AbschriftIhres neuen Gedichts. Ich will keine» schlimmen Gebrauch davonmache». Aber eine Dame hat mich darum gebeten.