Lessiiigs Briefe. 1774. 1775.
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lichsten. Leiste» Sie allein, was wir zusammen leisten wollten. EinMeisterstück von Ihnen wird noch eben zu recht kommen, unser The«,ter von einem neuen Verderben zu retten. —
Wie sehr wünschte ich, Sie einmal wieder zu sehen! Möchte eSdoch Ihr recht ernstlicher Vorsatz seyn, mich zu besuchen. Sie reisenja doch ohnedies alle Jahre. Warum nicht auch einmal nach Braun-schwcig, wo Sie noch nicht gewesen sind, und wo Sie so viele Freundehaben? Ich, der ich die ganze Welt ausreisen wollte, werde, allem An-sehen nach, in dem kleinen Wolfcnöüttel unter Schwarten vermodern,und wohl auch Berlin nie wieder sehen. Bedenken Sie das, undbestärken Sie mich wenigsten» in einer so süßen Hoffnung; einer vonden wenigen, mit deren Hülfe ich den melancholischen Winter, dermir bevorstehet, zu ertragen hoffe!
Ganz der Ihrige,Lessing.
An Sschcnburg.
Den 16. December 177».
Hier haben Sie schon heute daS Luc^eloiieclic/ue °)
mit dem besten Danke zurück. Was die Herren von mir und meinemStücke darin sagen, hat mich weder gefrcuet noch geärgert. Aber wenndaS Französische gedruckt werden sollte, will ich mir die Lust machen,cS selbst zu übersetzen. Wie mir der Graf von M- gesagt hat, soll esauch schon gedruckt seyn, und der Hr. v. F. soll ein Exemplar davonhaben. Wenn das ist, so haben Stc doch die Eure, mir durch Ih-ren Kanal ein eignes Exemplar kommen zu lassen, cS mag kosten, wascS will.--
A» Madamc König.
Wolfcnbüttel, d. 1». Jan. 1775.
Ja wohl, meine Liebe, würde ich selbst nicht begreifen, wie esmöglich gewesen, daß ich in so langer Zeit nicht an Sie schreiben kön-nen, wenn ich nicht von einem Tage zum andern mich gar wohl zu-rück erinnern könnte, wie cS unterblieben. Vorigen ganzen Sommer
°) ES war darin ein AuSzng der ^1»>«-i» ^<?»L,e«^ bcsmdlich, einersehr schwache» Nachahmung der Minna von Aarichclm, von Rocho»de Chabanncs. »Lschenburg.