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Lcssings Briefe.
Wie cS in Wien gehen wird, muß sich zeigen. Nächstens vondaher ein MchrcreS. Lebe indeß recht wohl, und grüße alle un-scre Freunde.
Gotthold.
An Madame König.
D- 3l. Mär; 477."..
Meine Liebe!
Ich hoffe, daß ich noch eher eingetroffen, als Sie mich erwar-tet. Urtheilen Sie daraus auf meine Sehnsucht, Sie zu umarmen.
Ihrer Anweisung nach, bin ich in dem Ochsen abgetreten, aberes ist der goldne Ochse, und ohne Zweifel nicht der rechte. HabenSie ein Zimmer für mich bestellen lassen, so haben Sie die Güte,mir cS anzuweisen. Vor allen Dingen aber lassen Sie mich mit ei-nem Worte wissen, wenn ich Ihnen nach Tische am gelegensten komme.Denn zn Ihnen muß doch nothwendig mein erster Gang scvn, denich in Wien mache.
Dero
ergebensterL.
An Karl G. Lcssing.
Mayland, den 7. Mav 177,1.
Mein lieber Bruder,
Mußt Du Dich nicht verwundern, daß ich Dir nicht ein einzigesMal aus Wien geschrieben habe, und daß ich Dir nun aus Italien schreibe? Ich kann mich selbst nicht genug darüber wundern. Aberhöre nur.
Als ich ungefähr zehn Tage in Wien war (wo ich überall dieallerbeste Aufnahme erhalten, auch gleich die ersten Tage den Kayscrund die Kaiserin gesprochen hatte.) langte der jüngste Prinz vonBraunschweig daselbst an, welcher in seinen Angelegenheiten eine Reisenach Venedig machen wollte. Weil er mir nun sehr anlag, ihn da-hin zu begleiten, mit der Versicherung, bey seinem Vater alles gut zumachen, so habe ich es endlich gethan, i» Betrachtung, daß meineUmstände dadurch nicht schlimmer werden können, und ich auf dieseWeise (gesetzt, daß wir auch nicht weiter reisen, als Venedig) den-noch wenigstens einen Vorschmack von Italien bekomme.