Lcssings Briefe. 477.1.
Dieser Vorschmack — will ich Dir nur mit wenigem sagen, hatmeinen alten Gedanken, in Italien zu leben und zu sterben, auchschon wieder ganz erneuert: so sehr gefallt mir noch alles, was ich indieser Gegend höre und sehe. Doch darüber kann ich Dir iht nichtsmehr sagen. Warum ich Dich vornehmlich bitten muß, ist dieses,dem Herrn Abt Blarcr und durch ihn dem Herrn Baron von Swic-tcn vorläufig meinen verbindlichsten Dank abzustatten, für die so vor-züglich gute Aufnahme, die ich in Wien gefunden und vornehmlichihren Emvfehlungen zu verdanken habe. WaS sonst für Aussichtendaselbst für mich seyn dürften, will ich Dir ein andermal bey bessererMuße schreiben.
AuS Venedig will ich Dir gewiß melden, wenn und welchen Wegich wieder zurückkomme. Indeß bleibt es bey meinem Entschlüsse, aufdem bisherigen Fuß in Wolfcnbüttcl nicht zu bleiben, welches ich Dirbloß in Ansehung des Herrn von S ° ° hier wiederhole. — Wenn seineVorschläge nur einigermaßen annehmlich seyn sollten, so würde ich siedoch immer lieber annehmen, als Wiener Vorschlage.
Hiermit lebe recht wohl, mein lieber Bruder, und grüße alle un-sere Freunde.
Gotthold.
An Madame König.
Mayland, d. 8. May 177i>.
Meine Liebe!
Verzeihen Sie mir, daß ich Ihnen weder aus Salzburg noch ausBrescia habe schreiben können. Nur an diesen beyden Orten habenwir uns einen einzigen Tag aufgehalten, welcher mit Besuchen hin-gegangen. Gestern sind wir hier in Mavland angelangt, und ich be-finde mich nock recht wohl, außer daß meine Augen von der Sonneund dem Staube, die wir so häufig untcrwegcnS gehabt, sehr gelittenhaben. Den 12tcn gehen wir nach Venedig ab, wo wir den 20lcneinzutreffen gedenken. Daß unsre Reise von da wieder zurück geht, istVorS erste so gut, als ausgemacht. Und so viel von mir!
Wenn ich doch nun, so bald als möglich, versichert scvn könnte,daß Sie sich, meine Liebe, recht wohl, recht sehr wohl befinden. ESgehet fast keine Stunde hin, wo ich nicht einmal Gelegenheit finde,es zu bedauern, daß ich nicht lieber mit Ihnen reise. Denn Nuhcnwerde ich nur sehr wenig von meiner Neisc haben, da ich überall mit demPrinzen gebeten werde, und so alle meine Zeit mit Besuchen und am
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