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LesfingS Briefe. 1776.
lagen bey dem Staatsrath Gcbler, und ein dritter vom 3. August beydem H. v. L- Es sind nur kahle Entschuldigungen dieser Herren, daßsie niemals gewußt, wo ich recht wäre. Sie hätten die Briefe nuran Vokclten schicken, und den für die weitere Bestellung sorgen lassendürfen.
Mein letzter Brief an Sie, meine Liebe, wo ich mich recht be-sinne, war aus Livorno , in welchem ich Ihnen meldete, daß, gewisserUmstände wegen, der Prinz noch nicht zurückgehen könne, und daßwir indeß eine Reise nach Korsika machen, und von Korsika über Ge-nua nach Turin gehen würden. Als wir nach Turin kamen, war dasSchicksal des Prinzen noch nicht entschieden, wir gingen also vonTurin über Bologna und Lorctto nach Rom, von Rom nach Neapel ,und von Neapel wieder zurück nach Rom , wo endlich der Prinz Be-fehl von seinem Vater erhielt, so schleunig als möglich zurück zu kom-men. Wie alles dieses zusammenhängt, kann ich Ihnen nur mündlicherklären, und ich habe ohnedem, um mit der heutigen Post zu schrei-ben, nur noch kaum so viel Zeit, ein Paar Worte über Dinge, dieuns naher angehen, hinzuzufügen. Ich werde nur wenig Tage inWien bleiben, und um gewisse Fragen und AuSbolungcn zu vermeiden,zu niemanden von dem großen Geschmeiße kommen, sondern mich le-diglich auf die Bekannten meines Gleichen einschränken. Auch hierauswerden Sie schon abnehmen, daß ich von allen Projekten auf hier ab-sicahire, besonders da man mir von Braunschweig aus die besten Ver-sicherungen machen lassen, und wenigstens der alte Herzog mir gewißwohl will. Ein pis-aller will ich mir indeß immer aussparen, wozuich neuerdings aus Dresden einen sehr guten Anlaß erhalten habe.Denn auf den bisherigen Fuß kann ich weiter in Wolfenbüttcl schlech-terdings nicht bleiben, so gern ich auch immer daselbst bleiben zu könnenwünschte, und aus den nehmlichen Ursachen cS wünschte, auS welchenIhnen, meine Liebe, dieser Ort vor allen andern gefällt.
Ich gehe längstens den t. Jan. von hier über Prag und Dresden nach Berlin , und denke vor Al-lauf des Monats gewiß wieder in Wol-fenbüttcl zu seyn. Schreiben Sie mir mittlerweile, meine Liebe, ichbeschwöre Sie, nach Berlin , und addreßiren Sie Ihren Brief nurin die Vossische Buchhandlung. Ich brenne vor Verlangen, cS vonIhnen selbst zu erfahren, daß Sie sich gesund und wohl befinden,und mir Ihre Liebe, trotz der fatalen Reise, nach wie vor schenken.Ihre Freundinnen, an die Sie hier schreiben, wissen nicht anders, alsdaß Sie gesund sind: aber Malchcn soll krank seyn? — Arme Mutter!wie sehr bedaure ich Sie; — mit der nächsten Post schreibe ich Ihnen