Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
439
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le'cssnigg Briefe. 177t!,

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An Madame König.

Berlin , den 11. Febr. 177S.

Meine Liebe!

Ich bin über 14 Tage in Berlin , ohne Ihnen zu schreibenimmer noch der alte Fehler, den ich wohl schwerlich ablegen werde/als bis ich Ihnen nicht mehr zu schreiben brauche. Wenn aber übleLaune, Unentschlossenhcit und Ekel gegen Alles, waS um uns ist, Krank-heiten sind: so bin ich die ganze Zeit über recht gefährlich krank ge-wesen, und Sie müssen mir dießmal schon wieder verzeihen. Hierzukam, daß ich mich Anfangs nur drei) oder vier Tage aufhalten zuwollen dachte: ich wollte bloß die Kälte ein wenig abschlagen lassen,die mich von Dresden aus so schrecklich mitgenommen hatte, daß micham warmen Ofen schauderte, wenn ich nur daran dachte, daß ich ineben der Kälte weiter reisen sollte. Und jetzt fiel auf einmal daS jetzigenasse mir noch unerträglichere Wetter ein! Ein Tag verging nachdem andern; bis ich nun endlich so weit bin, daß ich, trotz Weg undWetter, dennoch in ein Paar Tagen abreisen muß und will. DaSist, meine Liebe, daS Vornehmste, was ich Ihnen zu melden habe;jeyt zu melden habe. DaS eigentlich Wichtige für uns, muß sich dieersten Tage in Braunschweig entscheiden. Und dann trauen Sie mirdoch zu,, meine Liebe, daß ich keinen Augenblick versäumen werde,Ihnen davon Nachricht zu geben? Wenn ich dann, wenn ich eigent-lich weiß, was und wie ich Ihnen schreiben kann, Ihnen zu schreibenverschiebe, wenn ich dann nachläßig bin: so sollen Sie mir cS nievergeben so will ich mir selbst cS nie vergeben so will ich michselbst verachten was ich wahrlich jetzt noch nicht thun kann, weilich cS doch am besten wissen muß, wie viel eS mich kostet, wie nahecS mir geht, wenn ich schlechter scheinen muß, als ich bin.

Freylich wären noch zwanzig Dinge in Ihrem Briefe, auf dieich Ihnen antworten müßte aber wenn ich jetzt damit anfangensoll: so kommt sicherlich dieser Brief auch diesen Posttag nicht fort.Man läßt mich so wenig zu Hause, und wenn ich zu Hause bin, sobin ich so wenig allein - Gott! wenn wird dieses Leben einmal auf-hören! Wenn werde ich einmal in Ruhe und Einsamkeit Ihnen undmir selbst leben können!

Ganz der IhreL-