LessiugS Briefe. 4776.
An Madamc König.
Bramischwcig, den 26. Febr. 1776.
Endlich, meine Liebe/ bin ich am 2Nen dieses glücklich wiederumin Vraunschwcig angelangt. Ich sage glücklich; das heißt, ohne aufder Reise bis dahin Schaden genommen zu haben. Ob ich sonst zurglücklichen oder unglücklichen Stunde wieder gekommen, davon weißich noch nicht», die nächsten Tage werden es lehren. Denn noch habeich mich bey dem Herzoge und der Familie kaum melden können, undden Erbvrinzcn habe ich eigentlich noch gar nicht gesprochen. Außerdiesem haben sie sich alle sehr gcfrcuet, mich wieder zu sehen, auchalle sehr gnädig empfangen: aber Sie begreifen wohl/ wie wenig dasAlles noch sagen will. Meiner SeitS bin ich fest entschlossen, mir denVorschlag deS Hrn. v. K-, den Sie selbst gcbilliget haben, gefallen zulassen. Nur kömmt es darauf an, die Sache so einzuleiten, daß ichmich nicht dabey wegwerfe. Ich werde also, wenn mir kein andererAnlaß vorkömmt, noch acht oder vierzehn Tage ruhig warten, und so-dann dem Herzoge gerade heraus schreiben, daß mich das gänzliche De-rangcment meiner Affairen nöthige, eine Verbesserung zu suchen, undda ich diese in Braunschwcig nicht abzusehen wisse, ich genöthigt sey,um meinen Abschied zu bitten. Will man etwas für mich thun, sowird man es auf diese Erklärung gewiß thun. Will man nicht —ja nun freylich, so werde ich meinen Abschied bekommen. —
Ja, meine Liebe, an diese Zukunft kann ich nicht denken, ohnedie Feder wegzuwerfen. Gott gebe, daß diese Zeilen Sie mit den Ih-rigen gesund und vergnügt finden mögen. Ich schreibe Ihnen, wonicht posttäglich, doch wöchentlich gewiß: oder ich habe Sie nie geliebt.
Ganz der IhrigeL.
An Madame König.
Braunschweig , den 2. März 1776.
Können Sie glauben, meine Liebe, daß ich noch in Braun-schweig bin? Und daß ich noch in nichts, auch nur den kleinsten Schrittweiter bin? Vorgestern Abends traf ich den E. P. auf der Gasse. Erbezeigte sich sehr freundlich, mich wieder zu sehen, er versicherte, cSsey ihm nichts gesagt worden, daß ich bey ihm gewesen, und sehtehinzu, daß er mich nothwendig zu sprechen habe, und daß er michunfehlbar rufen lassen wollte, wenn ich noch einige Tage hier bliebe.