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'kann mit ihm zufrieden seyn. Eigentlich zwar hat er nichts mehr ge-than, als was er mir gleich Anfangs durch den Herrn von K- antra-gen ließ; allein seine übrigen Aeußerungen schienen doch so aufrichtigzu seyn, daß ich nicht wüßte, warum er mich zum Besten haben, undmit leeren Hofnungen Hinhalten sollte. Der alte Herzog ist seit einigenTagen gefahrlich krank. Der Schlag hat ihn auf der rechten Seitegerühret, und wenn dieser Zufall wiederkommen sollte, wie er denn ge-meiniglich wiederzukommen pflegt, so ist es, allem Ansehen nach, mitihm aus. Der Pr. gab mir diese Aussicht deutlich gnug zu verstehen,und ließ noch merken, zu wie mancherley er mich sodann zu brauchengedächte. DaS glaube ich ihm denn wohl auch, und allenfalls ist esfreylich einerley, ob ich mich hier oder anderswo mit Versprechungenspeisen lasse. Vor einigen Tagen hat sich dazu ein Fall ereignet, dermir auch nicht gleichgültig ist. Eine alte Frau von Börncc, die gleichneben dem Schlosse ein Herzogliches HauS bcwohnete, ist gestorben.Das Haus ist also leer, und das soll denn nun wohl niemand andersbekommen, als ich.
DaS Schlimmste bey allem dem, aber ist dieses, daß ich nun dochnoch in meiner gegenwärtigen Lage bis zu IohanniS warten muß.Denn mit IohanniS fängt das Kammerjahr an, und eher können keineneue Arrangements gemacht werden. Ich kann also auch nicht ehermeinen Vorschuß erhalten, nicht eher bezahlen und reisen. Doch diesedrey Wochen werden auch noch zu verleben seyn. Sobald ich hier fort-kommen kann, seyn Sie versichert, meine Liebe, daß ich nicht einenAugenblick zaudern werde, mich auf den Weg zu Ihnen zu machen.
Ihre Brunnenkur ist nun wohl auch derangirt worden? WennSie indeß nur noch anfangen, so haben Sie bis zu meiner UcbcrkunftZeit genug. Ich selbst bin nicht übel Willens, noch den Brunnenzu trinken, und zwar auf einem Garten bey Braunschwcig, wo ich jetztfast öfterer bin, als in Wolfcnbüttel. Ich mache gewöhnlich meinenWeg zu Fuße hin und her, und wenn ich dabey nichts esse, befinde ichmich außerordentlich wohl. Solche Kur ist wenigstens sehr wohlfeil.
Leben Sie wohl, meine Liebe. Ich wünsche, daß Sie dieser Briefrecht gesund treffen möge, und umarme Sie tausendmal.
Der Jhrig-L.
I'. 8, Schwerlich wohl kann Sch, in Braunschweig seyn. We-nigstens hat er sich von mir nicht sehen lassen.