Lessuigs Briefe. 1776.
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ich dabey gethan habe, zufrieden seyn könnten. Aber so ist die einzigeAbsicht/ die ich dabey gehabt, immer noch das Beste dabey. — Ob ichIhre Anmerkung über den ersten Aufsatz recht gefaßt habe/ werdenSie wohl sehen; sonst mir es hoffentlich aber nicht übel deuten, daßich keinen andern Gebrauch davon gemacht habe. Es wäre unpolitischgewesen, wenn ich auf alle Bloßen meines Verfassers so deutlich ge-wiesen hätte. Lassen Sie mich, bester Freund, durch diese Gelegenheitangenehme Nachricht von Ihrer Gesundheit und Ihrer fortdauerndenFreundschaft gegen mich hören. Ich bin
ganz der IhrigeLcssing.
An Madame König.
Wolfenbüttel , d. 23. Iuny 1776.
Meine Liebe!
Ihren Brief vom 15tcn dieses habe ich erst gestern spät erhalten.Morgen ist schon Iohannis, und Sie erwarten vor Iohannis dochvon mir Antwort. Da dieses unmöglich ist, möchte es Ihnen dochvon selbst eingefallen seyn, was ich Ihnen so sehr rathen möchte.Nehmlich noch einige Tage bey Ihrer Freundinn auf dem Lande zubleiben, da Ihnen der Brunnen und die freye Luft so gut anschlagen.Meine Sache ist zwar nun so völlig rcgulirt, als sie cS hat werdenkönnen, aber nun habe ich noch so viel zu thun und voraus zu besor-gen, wenn ich vierzehn Tage ruhig will abwesend scvn können, daßcS mir unmöglich ist, den Tag meiner Abreise schon festzusetzen. Wor-über Sie sich vielleicht am meisten wundern werden, ist dieses, daßich nicht umhin gekonnt, den Hofcathstitcl mit anzunehmen. Daß ichihn nicht gesucht, sind Sie wohl von mir überzeugt; daß ich cS sehrdeutsch heraus gesagt, wie wenig ich mir daraus mache, können Siemir auch glauben. Aber ich mußte endlich besorgen, den Alten zubeleidigen. Ich schreibe Ihnen gewiß, ehe ich abreise, und werdeIhnen vielleicht wohl noch mehr, als einmal schreiben können. Bisdahin werde ich nichts sehnlicher wünschen, als Sie recht gesund undwohl zu finden. Ich umarme Sie tausendmal in Gedanken auf Ab-schlag und bin auf immer
der IhrigeL.