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Messings Briefe. 1776.
An Madamc König.
Braunschwcig, d. 1l. Iul. 1776.
Meine Liebe!
Endlich hat mich Ihre Antwort beruhiget/ und ich freue mich,daß Ihre GesundheitSumstände an der Verzögerung derselben nichtSchuld gewesen. Fahren Sie nur fort, sich auch in der Stadt ebenso wohl zu befinden, damit ich Sie so treffe, wie ich wünsche. Schwer-lich aber wird mir cS eher möglich seyn, als vor Anfang August abzu-reisen. Den dritten desselben geschieht es indeß ganz gewiß. Undzwar komme ich in Gesellschaft des Herrn Professor EschenburgS. Womeynen Sie, daß ich logiren soll? in meinem alten schwarzen Adler?oder auf Kaysershof?
Die Sache mit der Jüdinn habe ick) nicht vergessen gehabt. Eswar mir bey meinem letzten Schreiben, bloß entfallen, Ihnen davonzu melden, wie Sie aus der Beylage sehen werden, der Quittung derFrau, die selbst nicht schreiben kann, und einem Briefe derselben anihren Man», den sie ihn mit zu übcrschickcn bittet. Die Frau hatalles selbst von mir in Empfang genommen, und die Quittung hatein sichrer Mann, den ich kenne, für sie unterschrieben.
Ich werde abgehalten dicscSmal mehr zu schreiben. Nächstens aberein MehrcrcS; besonders wenn Sie mich nicht lange auf Ihre Antwortwarten lassen. Morgen schreibe ich ohnfchlbac an den Vetter. Ichnmarme Sie und bin auf immer
der IhrigeL-
Meine liebe Mutter,
Ich hoffe, daß Sie sich von Ihrer Unbäßlichkcit völlig wieder cr-hohlt haben, und wünsche, daß Sie diese Zeilen recht wohl und ver-gnügt finden mögen. Ich würde Ihnen eher geschrieben haben, wennich eher im Stande gewesen wäre, das Gegenwärtige') beylegen zukönnen. Endlich bin ich, Gott sey Dank, so ziemlich wieder aufsReine, und in meine» Umstanden so weit verbcßrrt worden, daß ichaufS künftige keine Entschuldigung habe, wenn ich meine Pflicht nichtbcßer beobachte. Aber ich hoffe auch, Sie trauen mir zu, daß ich siegern beobachte, und daß mich mein bisheriges Unvermögen genug gc-
°) „10 5!.d'or" am Raube.