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Lessings Briefe. 1776.
bringen. Behalten Sie ihn aber, so komme ich ohne eignen Wagen,und wir fahren darin zusammen anhcr. DaS also seyn Sie nur sogut/ in Ihrem Nächsten zu bestimmen. Bis nach Zelle werde ichwohl von Wolfenbüttel aus, uns Pferde müssen lassen entgegen kom-men, weil sie von Zelle aus die Poststation in Braunschweig schwerlichwerden überfahren dürfen.
Gestern habe ich einen Brief von dem Baron von Homvcsch ausManheim erhalten, worin er mich sehr bittet, sobald als möglich zukommen. Ich möchte aber aus hundert Ursachen nicht gerne eher alsim Januar.
Ihren Auftrag an den Hostath Spies, will ich, wo mir möglich,heute noch besorgen. Jctzo muß ich nur eilen diesen Brief zu schlie-ßen, weil ich sonst in Gefahr bin die Post zu versäumen.
Ich umarme Sie, und bin auf immer
ganz der IhrigeL.
An Karl G. Lcssmg.
Wolfenbüttel , den 20. Septbr. 1776.
Mein lieber Bruder,
Ich hoffe, daß Du meinen letzten Brief wirst erhalten haben, undich sehe Deiner Antwort, nebst der Turiner Kiste, mit Verlangen entgegen.
Jetzt muß ich in einer Tbeatcrsachc an Dich schreiben, deren ichmich durch die jüngst in Manheim erhaltene Connexion nicht wohl ent-ziehen können. Man hat dort nun ein schönes neues Theater; abernoch keine Actcurs. Man sucht besonders einen Vater, eine Mutter,einen Liebhaber, eine Liebhaberin, einen Bedienten und ein Mädchen.Du bist unter diesen Leuten ja so bekannt: weißt Du gute Personendazu? wenn sie auch schon die allerbesten nicht sind, wenn sie sich nurein wenig über das Mittelmäßige erheben. Ich will nicht, daß DuDöbbclincn seine Leute abspänstig machen sollst; aber es sind doch im-mer bey einer Truppe welche, die nicht gern bleiben wollen. Siemüßten indeß zu Anfange des künftigen Septembers in Manheim seynkönnen. Antworte mir mit erster rückgchendcr Post.
Golthold.