Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
473
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LessingS Briefe. 1776.

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An den Lhurfürstl. Sächs. Bibliothekar Daßdorf in Dresden .')Liebster Freund,

Nach aller der zuvorkommenden Freundschaft/ mit der Sie michin Dresden beehrt haben, hätte ich Ihnen wohl eher einmal schreiben,und Sie meiner herzlichen Ergebenheit versichern sollen.

Ich hätte dazu auch noch eine andere Ursache gehabt. Ich hätteIhnen nehmlich vorlängst melden können, daß ich endlich Winkclmannsganze Corrcsvondcnz mit dem Hrn. von Stosch in Händen habe. Die-ser hat mir sie selbst, so wie sie ist, mit dem Bedinge anvertraut, daßman nur das daraus bekannt mache, was die Welt wirklich intcres-sircn könnte, mit Hinweglassung alles individuellen, und aller der klei-nen Nachrichten, wovon in seinen Werken das Ausführlichere undRichtigere vorkömmt. Diesen Auszug zu machen, habe ick noch nichtZeit gehabt. ES wird mir aber sicherlich eine zu angenehme Arbeitscvn, als daß ick nicht die ersten ruhigen Tage dazu bestimmen sollte.Und daß alles sodann ganz zu Ihren Diensten ist, daS versteht sich.Vorläuffig kann ich Ihnen schon sagen, daß verschiedenes darinn vor-kommen wird, was Ricdel gar nicht, oder doch sehr unrichtig gewußthat. WaS sagen Sie überhaupt zu dieser Vorrede?

Ohne Zweifel werden Sie, nach dem, was Sie in Händen ha-ben, noch weit mehr darinn zu berichtigen gefunden haben. Mein Vor-sah, wegen der Ausgabe der sämmtlichen Winkelmannschcn Werke, ist»och immer fest. Haben Sie die Güte, dem Hrn. Walther das zuversichern. Ich habe alles erhalten, was er mir dazu geschickt hat, undwerde ihm nächstens selbst schreiben.

Bcvlicgendcn Brief nach Rom, liebster Freund, haben Sie dieGüte dem Hrn. Bach einzuhändigen, der auf dem Wege dahin ist,und nächstens durch Dresden kommen wird. Er wünscht nichts eifri-ger, als einmal bcv der Akademie zu Dresden einen Platz zu finden.Wie sehr er ihn schon jht verdient, und sicherlich bald noch mehr ver-dienen wird, brauch ich Ihnen nicht zu sagen. Aber es würde ganzgewiß seinen Eifer verdoppeln, wenn man ihn itzt schon im Vorauseinige Hoffnung dazu machen könnte; wozu Sie, wie er glaubt, viel-leicht nicht wenig beyzutragen im Stande seyn dürften. Wenn Siees sind, weiß ich, werden Sie es gewiß thun, und Sachsen einenMann zu versichern suchen, der gewiß einen eben so großen und ori-ginellen Mahler verspricht, als seine Vorfahren Tonkünstlcr gewesen sind.

") Zm Besitz des Herr» Hoftallis Faltc»slci>! in Dresden .