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12 (1840)
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475
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Lessings Briefe. 1776.

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langen wird, ist die Frage. Aber der Kaufmann, an den er hier inWolfenbüttel addrcssirt wird, soll ihn schon indeß in gute Verwahrungnehmen. Die Absendung alles Uebrigen thun Sie allerdings besser,»och zu «ersparen. Ucberhaupt wundert sich der hiesige Kaufmann,daß Sie die Sachen nicht zu Wasser über Lüneburg gehen lassen, wel-ches nicht halb soviel wurde gekostet haben. Doch Sie haben ohneZweifel hierzu Ihre Ursachen gehabt. Daß indeß auch alles gut ver-wahret bleiben soll, dafür seyn Sie ganz unbesorgt.

Wegen meiner Abreise endlich werde ich kaum etwas ändern kön-nen. Mein Vorsatz ist Sonnabends den 6ten Oktober erst von hierabzugehen, da ich den 6ten bey guter Feit in Burtrhude zu seyn ge-dächte. Wenn ich nun aber auch den vierten Abends abreisen wollte,so konnte ich doch schwerlich eher als in der Nacht vor dem sechstenanlangen, und ich hatte mir zwey schlaflose Nächte gemacht, die ichmir jetzt eben nicht bieten mochte, weil ich mich so ganz vollkommenwohl nicht befinde. Mein Gedanke wäre, es bliebe dabey, daß icherst den sechsten Abends käme, und gleich den andern Tag, den sie-benten, liessen wir uns in aller Geschwindigkeit trauen, sollte cS auchim Hause des Predigers seyn, ohne alle die Gäste abzuwarten, dieHerr Sch. gebeten. Aber dieses müßte so lange unter uns bleiben,damit cS das völlige Anschn cincS Impromptu hätte.

Bekomme ich heute noch von Ihnen einen Brief, so schreibe ich Ih-nen auch gewiß noch Morgen. Wenigstens schreibe ich zuverlässig nochvor meliicr Abreise, besonders wenn es mir möglich seyn sollte, sie 24Stunden eher anzustellen. Daß ich es sehr gerne thäte, weil es Ihnenund Herrn Sch. so angenehmer seyn würde, das versteht sich. Nach demcrsicn Entwürfe, daß wir den 8ten erst getrauet würden, hätte ich ge-glaubt, daß wir längstens den IVtcn abreisen könnten, da ich denn den43ten Pferde von Wolfenbüttel aus, auf die letzte Station bestellte, dieuns bey Braunschwcig vorbey und gerades Weges' anhero brächten.Wenn ich daher doch noch auch auf diesen Brief Antwort von Ihnenhaben könnte!

Melden Sie mir aber ja auch darin, wie es mit Ihrer Gesundheitstehet. Ihr letzter Brief macht mir viel Bcsorgniß! doch vielleicht wa-ren das auch nur übcrhmgchciide Wallungen. Ich umarme Sie undbin ewig

der IhrigeL.