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12 (1840)
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Lessings Briefe. 1777.

daß ich in der Folge ordentlicher und vernünftiger zu leben, und auchwas übrig zu haben, rechnen kann, welches ich wohl niiiimermchrwürde gehabt haben, wenn ich so fortgelebt hatte.

Daß der 4. Theil der griechischen Redner gefehlt hat, wundertmich. Wenn Tu ihn noch nicht hast, so melde mir cS, und ich willDir ihn von Mad. Reiske aus Leipzig schicken lassen.

Nun lebe recht wohl, lieber Bruder, und schaffe mir entwederden vorletzten Brief, oder melde mir bald nochmals, was ich gerndaraus wissen möchte. Es thut mir leid, wenn man Dir nicht Ge-rechtigkeit wicdcrfahren lassen. Aber habe nur noch eine kleine Ge-duld, und das Bessere wird endlich doch kommen. Ich und weineFrau wicderhohlen unsere Einladung auf künftigen Sommer und sieempfiehlt sich Dir recht herzlich.

Wolfcnbütlel ^ein treuer Bruder

d. 4 Jan. 1777. . Eotthold.

a Uonsieui'Alonsieur I^e8!>ii>g

iüouroeteur «le 1'ecole <i<z et,

!> I'l'l'N».

An Karl G. Lessing .

Wolfenbüttcl, den 8. Jan. 1777.

Mein lieber Bruder,

Du bist in den kleinsten Commissionen, die ich Dir auftrage, sogeschwind und pünktlich, daß ich mich meiner Nachlässigkeit gegen Dichin allem Ernste schäme. Ich könnte Dir wohl sagen, daß ich Dichin dem ersten Genusse Deiner lieben jungen Frau mit Glückwünschen,die sich auch unabgelegt verstehen, nicht unterbrechen wollen. Aberdas sähe einem Eomplimente eben so ähnlich als einer Lüge. Alsolieber nur gerade heraus gestanden, daß ich Dir von einem Posttagezum andern schreiben wollen, weil ich aber das Briefschrcibcn immerbis auf den letzten Augenblick verspare, beständig auf die unvermeid«lichste Art daran verhindert worden.

Ich weiß, so vergilbst Du mir meine alten Nückcn noch am er-sten. Denn bey dem allen bist Du doch auch überzeugt, daß ich Dirin Gedanken tausend Glück zu Deiner Veränderung gewünscht, undden Tag Deiner Hochzeit gewiß mit meiner Familie würde gcfeyerl