Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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481
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LessingS Briefe. 1777.

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habe», wenn Du mich ihn hättest wollen wissen lassen. Empfiehlmich Deiner lieben Frau auf das herzlichste, und sage ihr, sie solleja nicht vergessen, warum ich sie bey meinem Abschiede gebeten habe.Ich will hoffen, daß Du ihr die Sache nicht sauer machen wirst.Es ist nichts Geringeres, als Dich zu einem guten ordentlichen Haus-vater zu machen, welches Leute, wie wir, doch nicht eher werden, alsbis wir es jemanden zu gefallen werden.

Deine Kindermördcrin habe ich mit Vergnügen gelesen, und esist unstreitig, daß sie nur so auf das Theater gebracht werden kann.Wenn nur die ersten Acte nicht dabey gelitten und ein wenig leergeworden wären! Ich dächte, Du hättest früher anfangen und imersten Acte uns den Hausstand des ehrlichen Metzgers, nebst dem gut-herzigen Betragen seiner ganzen Familie gegen den Lieutenant zeigeilsollen, so daß das Verbrechen erst zwischen dem ersten und zweytenActe vorgegangen wäre. ic.

Uebrigcns sind viele gute Sachen in der Vorrede gesagt, die dochauch von Dir ist? Lenz ist immer noch ein ganz andrer Kopf, alsKlinger, dessen letztes Stück ich unmöglich habe auslesen können.

Künftige Woche reise ich nach Manheim , und ich wollte wohlwünschen, daß ich schon wieder hier wäre. Denn mich schaudert, wennich nur daran denke, daß ich mich wieder werde mit dem Theater bc-mcngcn müssen.

Das vierte Stück von meinen Beyträgen ist eben fertig geworden,welches Du durch Einschluß an Herrn Voß erhalten sollst. ES istganz theologisch, und ich bin begierig zu vernehmen, ob die Ortho-doxen mit meiner oder des Ungenannten Arbeit zufriedner seyn werde».

Lebe recht wohl. Meine Frau empfiehlt sich Dir und der Deinigen.

Eotlhold.

Meine liebe Schwester,

Wie sehr mich die Nachricht in Deinem letzten Briefe gerührt hat,brauche ich Dir nicht zn sagen. Denn so gar schlecht bin ich beyDir nicht angeschrieben, daß Du von meiner Liebe gegen unsere seel.Mutter, nur erst durch meine Klagen über ihren Tod überzeugt wer-de» müßlest. Die beste Art über sie zu klagen, glaube ich, ist, Dichnicht zu vergessen, die Tu ihr die letzten Jahre ihres Lebens so er-träglich gemacht hast, indem Du Dich für uns alle Deiner Pflichtaufgeopfert. Nimm indeß gegenwärtige Kleinigkeit, die Du vielleichtV-slmgs Werke XII. ZI