LessingS Briefe. 4777.
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gen schreiben, was man will. Nicht das, was man ihnen nimmt,sondern das, was man an dessen Stelle setzen will, bringt sie auf,nnd das mit Recht. Denn wenn die Welt mit Unwahrheiten sollhingehalten werden, so sind die alten, bereits gangbaren, eben so gutdazu, als neue. —
Ist ein Magister Spittler bey Dir gewesen? Wenn er noch inBerlin ist, so mache ihm meinen Empfchl. Desgleichen Deiner liebenFrau, lind damit lebe wohl!
Ectthold.
Wclfenbüttel, d. 26. Iun. 1777.
Mein lieber Schmid!
Ich habe Ihnen auf zwey Briefe nicht geantwortet, und gesternhabe ich Sie nicht gesprochen. TaS ist doch recht grob und fatal.Denn Sie sind so wacker und fleißig für mich! Nur habe ich vonEschenburgen gehört, daß Ihnen fast der Muth fallen will, und Sieüber das Leere und Unfruchtbare 5e6 ThclaforuS fast unwillig werden.Aber thun Sie es mir zu Gefalle», und werden Sie nicht so un-willig, daß Sie den Quark gar liegen liessen. Mir ist er, wennnicht an nnd für sich selbst, doch zu andern Dingen höchst nothwen-dig, und er wird mir sicherlich gewisse Dinge aufklären, aus welchenich mich gegenwärtig gar nicht zu finden weiß. Wissen Sie was ZSchicken Sie mir immer die ersten Bogen, so weit Sie gekommensind. Das Uebrigc machen Sie mit Muse und bohren Sie das Brct,wo es am dniinsien ist. Das ist. huschen Sie über das weg, wasSie zu lauge aufhalten wird.
Ich glaube, Sie können noch Kinder machen, da Sie noch Epi-gramme machen können, nnd zwar so gute! Dafür halte ich wenig-stens Ihr Epigramm, weil ich cS vor 26 Jahren dafür gehalten hätte.Ob eS noch dafür gelte» kann, werden Sie wohl hören, wenn Siees in einen Musenalmanach setzen lassen, wohin cS gehört.
Die Widerlegung der I^iilr, I^v, Ilen. <Zo IlaMa war freylichnicht Ihrer Mühe werth, da sie auch nicht den allcrkleinsten histori-schen Umstand enthält, sonder» ein bloßes Schnlgezänke ist. AberSie wisse» eS ja wohl, in unserm Fache weiß man auch dann schonwas, wenn man weiß, daß irgendwo nichts zu suche».