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LcssingS Briefe^ l777.
Wolfcnbüttel. d. 22. Jul, 1777.
O pfuy, mein lieber Schmid, daß ich Ihnen schon jetzt dankcnmuß. — Sie sind ja ein rechter <!c>urmi>»ä mit Arbeiten. Ich mußIhnen nur den Brodkorb höher hängen und Ihnen nichts mehr ge-ben. — Was bleibt denn auf Morgen übrig, wenn heute alles fertigwird? Die Ihrigen haben Recht, ungehalten auf mich zu werden,wenn sie glauben, daß ich Sie treibe. — Indeß nochmals Tank!
Hierbey noch ein paar Fragen an Herr eschenburgen, um mireinen besondern Brief zu ersparen.
1) Wie heißt der ueusic Herausgeber des Chaucer, von dem icheinen Band bey mir habe?
2) Welcher von den Commentatoren des ShakeSpear hat die (,'ellaliomanorum gekannt?
Aber eben sehe ich, daß Herr öschenburg nicht zu Haufe ist. Nunes hat auch Zeit mit der Beantwortung, bis er wieder kömmt.
An Nicolai.
Wolfcnbüttel, d. 20. Septemb. 1777.
Liebster Freund,
Sie hätten Grund, in Ernst auf mich ungehalten zu seyn. Ichantworte Ihnen nicht eher, als bis Ihnen an meiner Antwort nichtskann gelegen seyn. Denn von dem, was Sie von mir in Ihrenbeyden letzten Briefen verlangt haben, wollten Sie ohne Zweifel schondiese Michaelismcsse Gebrauch mache»! und ich weiß wohl, wie hochder Buchhändler ein solches Oisa/i/io-niment aufnimmt. Doch ichhabe nicht mit dem Buchhändler, sondern mit meinem Freunde Nicolaizu thun, bey dem ich mich, so wie andere sich auf ihre gerechte Sacheverlassen, auf meine ungerechte verlassen kann, an die er schon längstgewöhnt worden, und die er mir schon so manchmal vergeben hat.
Unterdessen habe ich doch nicht deswegen nicht geantwortet, weilich an die ganze Sache nicht gedacht. Vielmehr hätte ich zuverlässigso viel früher antworten können, wenn ich weniger darauf hätte den-ken wollen. Sie sollen es gleich hören.
Das erste betraf alte Lieder. Wenn ich Ihnen nur alte Liederhätte schicken dürfen, ohne mich darum zu bekümmern, was Sie da-