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LessingS Briefe. 1778.
das Vergnügen zu haben, sie wieder einzureisse». Diese Hypothesenun würde freylich das Ziel gewaltig verrücken, auf welches meinUngenannter im Anschlage gewesen. Aber was lhutS? Jeder sage,was ihm Wahrheit dünkt, und die Wahrheit selbst sey Gottempfohlen!
Leben Sie recht wohl, und beehren Sie mich bald wieder miteinem Briefe. Zuspräche von meine» Freunden thut mir jetzt destowohler, je nöthiger mir sie ist. Sie werden es kaum glauben, daßich die muthwilligsten Stellen in meinen Schnurren oft in sehr trü-ben Augenblicken geschrieben habe. Jeder zerstreut sich so gut alser kann.
Meinen Empfehl an die Ihrigen.
Dero
Wolf-nb. den 6 April 1778. ergebenster Fr. u. Diener
Beygeschlossenen Brief an den M. M. Knorr ") bitte unschwerbald abgeben zu lassen.
Mein lieber Claudius,")
Danken Sie Ihrem ehrlichen Letter, dem weltberühmten Asmus,von mir tausendmal, daß er sich meiner, bey Seiner Majestät demKaiser von Japan so günstig erinnern wollen. Aber, warum hat ermich ihm so schwer zu haben beschriebe»? Einen 8alvum eonäuctulllfür meinen Bauch, und ich komme . . Denn genug, daß ein Asiati-scher Monarch kein Europäischer ist, und ich wenigstens von denJannabos an seinem Hofe nichts werde zu besorgen haben. DieGoldbarren stechen wir verzweifelt in die Nase, und wenn wir Albi-boghoi nicht auch an den Bauch will: so laß ich ihm sein zweitesOhr gewiß. Nach dem alten Sprichworte, zier liuoä szuis :c. hätteer, der Hofmarschall, mir ohnedem die Zunge, und der Chan die Oh-ren hergeben müssen. Doch der Chan hat ja auch Ihren Letter an-gehört, und das sichert sie ihm auf immer.
Da übrigens Hr. AsmuS meine theologischen Gesinnungen so vor-lreflich interpretirt hat: so wäre ich beynahe Willens, ihm auch mein
°) Mü>iznie!fi-r Knorre. Lappenberg.
°°) Vo» diesem Briefe besitzt Herr SvndicuS Sicveking in Hamburg eineAbschrift, vo» welcher er die hier abgedruckte hat nehme» lasse».