610
Lessinas Briefe. 1778.
es für nöthig hältst. Ich möchte zwar nicht gern, daß der eigentlicheInhalt meines anjnkündigenden Stücks allzufrüh bekannt würde; aberdoch, wenn Ihr, Du oder Moses , ihn wissen wollt, so schlagt dasDecamerono des Loesceio auf: <?ioinata I. Nov. III. IVIolvIuscäoeliKiuiZoo. Ich glaube, eine sehr interessante Episode dazu erfunden zuhaben, daß sich alles sehr gut soll lesen lassen, und ich gewiß denTheologen einen ärgern Possen damit spielen will, als noch mit zehnFragmenten. Antworte mir, wenn Du kannst, unverzüglich.
Eotthold.
Meine werthe Freundin, ich danke Ihnen für die gütige lieber-sendung des 3len Stücks meiner Schwächen, die ein wenig stark zuwerden anfangen. Meine Antwort darauf ist schon fertig, und ichwürde eine Abschrift davon beylegen, wenn ich sie Ihnen nicht lieber —selbst bringen wollte. In allem Ernste: ich bin in einigen Tagen inHamburg ; und wenn die Geschäfte, die mich dahin bringen, auch wohldie angenehmsten nicht seyn dürften, so weiß ich doch schon das HanS,wo ich wenigstens einige vergnügte Stunden werde zubringen können.Ich empfehle mich Ihnen, und diesem ganze» Hause; von dem ichnur noch im voraus besorge, daß ich meine Besuche in selbigem mehrnach der Klugheit, als nach meiner Neigung werde einrichten müssen.
Das Angeschlossene ist eine Ankündigung, über welche meine Freundestch zum Theil wundern werden. Aber wenn Sie im Decamcron desBocca; (I. 3.) die Geschichte vom Juden Melchisedech, welche in mei-nem Schauspiele zum Grunde liegen wird, aufschlagen wollen, sowerden Sie den Schlüssel dazu leicht finden. Ich muß versuchen, obman mich auf meiner alten Kanzel, auf dem Theater wenigstens, nochungestört will predigen lassen.
Mündlich bald ein MehrereS.
Dero ergebenster Freund,Wolfenb. den 6 Septbr. Lessing .1778.
Mein lieber Ebert!
Eben fällt mir beylicgendeS in die Hände, und ich erinnere mich,daß Sie mir schon längst erlaubt habe», es Ihnen zu schicken. Dochgelogen! DaS ist die Ursache gar nicht, warum ich Ihnen heule