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schreibe. Das thu ich nur so bey hin; und eigentlich will ich Siebloß bitten, unbeschwert in das Bricfcomptoir hinunter sagen zu lassen,daß sie alle Briefe, die vom künftigen Montag an, an mich einlau-fen, nicht nach Wolfenbüttel , sondern zu Angott schicken sollen, woich einige Tage werde zu finden seyn.
Ihr
Wolfenbüttel , ganz ergebenster
den 19. Octbr. 4778. Lesstng.
An Karl G. Lcssing.
Wolfenbüttel , den 20. Oct. 1778.
Lieber Bruder,
Vor allen Dingen laß mich Deinen Erstgebornen mit meinembesten Segen hienieden bewillkommen! Er werde besser und glückli-cher, als alle seines Namens! — Die Mutter ist doch gesund? Ver-sichere Sie meines innigsten Antheils an ihrer Freude. —
Und nun, warum ich Dir so lange nicht geschrieben habe? Ichreiste vor sechs Wochen in Angelegenheiten meiner Stiefkinder nachHamburg ; fest entschlossen, nicht länger als acht oder zehn Tage dazu bleiben. Aber ich hatte meine Stieftochter mitgenommen, und diewaid gefährlich krank. Das hielt mich bis in die sechste Woche auf,und nur erst ehegcstcrn bin ich wieder gekommen.
Was ich die Feit über in Hamburg gemacht habe? — Beylie-gendcn Bogen, als die Antwort auf das dritte Stück meiner Schwä-chen, die ziemlich stark zu werden anfangen. Will ihn Herr Voßgleichfalls drucken lassen, so kann er es immerhin thun. Du hastmich mißtrauisch gegen T * ' gewacht: sonst hätte ich ihn gleich nachBerlin geschickt, lind wahrlich thäte T ' * eben nicht unrecht, wenner diesen Bogen nicht wollte passiren lassen. Es sind Aeußerungen---darin, die ihm wohl nicht schmecken dürften.
Du siehst also, daß ich in meiner Streitigkeit fortfahre; ungeachtetmir das Ministerium allhicr verboten, auch nicht einmal auSwärtSetwas drucken zu lassen, waS ich nicht zuvor zur Censur ihm einge-sandt. Das wäre mir eben recht! Ich thue das nicht, mag auchdaraus entstehen, was da will.
Jetzt ist man hier auf meinen Nathan gespannt, und besorgt sichdavon, ich weiß nicht was. Aber, lieber Bruder, selbst Du hast Direine ganz unrechte Idee davon gemacht. Es wird nichts weniger, als